Was kostet ein Fass Bier im Restaurant?

Brauereien Sigmaringen: Zoller-Hof vs. Adler

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Der Kreis Sigmaringen mag in seiner Größe überschaubar sein, doch die Welt des Bieres hat hier durchaus Facetten zu bieten. Zwei Namen dominieren die lokale Brauszene und stehen für unterschiedliche Ansätze im Handwerk: die Zoller-Hof Brauerei in Sigmaringen und die Adler-Brauerei in Hundersingen. Während die eine mit breitem Vertrieb und umfangreichem Sortiment glänzt, setzt die andere auf Tradition und lokale Verankerung. Ein genauer Blick offenbart interessante Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Wem gehört die Zoller Brauerei?
1845 von Carl Fidelis Graf gegründet, befindet sich die Brauerei bis heute in Familienbesitz. Die Inhaberin Claudia Sieben und ihr Ehemann Ralf Rakel führen das Unternehmen in sechster Generation.

In einer Region, in der das Bierhandwerk tief verwurzelt ist, repräsentieren diese beiden Brauereien das Spektrum von regionaler Größe bis hin zur spezialisierten Kleinbrauerei. Neben ihnen existieren weitere, oft der Craft-Beer-Szene zuzuordnende Produzenten, die das Bild abrunden. Doch Zoller-Hof und Adler-Bräu sind die bekanntesten Akteure, deren Geschichte und Entwicklung es wert sind, näher betrachtet zu werden.

Zwei Brauereien im Vergleich: Größe, Geschichte und Philosophie

Die Zoller-Hof Brauerei in Sigmaringen ist unbestritten der Gigant im Kreis. Mit einem engmaschigen Vertriebsnetz erreicht sie eine weite Verbreitung und ist für viele Verbraucher die erste Wahl, wenn es um regionales Bier geht. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1845 zurück, als sie von Carl Fidelis Graf gegründet wurde. Bemerkenswert ist, dass die Brauerei bis heute in Familienbesitz verblieben ist. Aktuell wird das Unternehmen in sechster Generation von der Inhaberin Claudia Sieben und ihrem Ehemann Ralf Rakel geführt. Dieser lange Zeitraum im Familienbesitz unterstreicht eine tiefe Verbundenheit zur Region und zum Handwerk, auch wenn die Betriebsgröße ein modernes Management erfordert.

Die Adler-Brauerei in Hundersingen blickt auf eine noch längere Tradition zurück. Bereits 1704 übernahm Jakob Bischofberger die Brauerei, die möglicherweise sogar noch älter war. Heute führt Andreas Bischofberger das Geschäft in elfter Generation. Dies macht die Adler-Brauerei zu einem herausragenden Beispiel für gelebte Familientradition im Brauwesen. Im Gegensatz zu Zoller-Hof ist Adler-Bräu deutlich kleiner und konzentriert sich primär auf die Belieferung des eigenen Gasthauses im Ort sowie auf den lokalen Verkauf.

Biersorten und Produktvielfalt

Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Brauereien liegt in ihrem Produktangebot.

MerkmalZoller-Hof BrauereiAdler-Brauerei
StandortSigmaringenHundersingen
Gründung18451704 (oder früher)
Generationen6. Generation Familienbesitz11. Generation Familienbesitzer
ProduktvielfaltMindestens 35 Bier- & Getränkesorten5 Biersorten (Kernsortiment)
Bekannte SortenExport, Zwickel, Bioalb-Linie, Hard Seltzer, BiobiereSpezial (hell), Zwickel (naturtrüb), Roggenbier, Hefeweizen, Festbier (saisonal)
Mitarbeiter (ca.)522 (Kernteam) + bis zu 4 Aushilfen
Jahresausstoß (ca.)73.000 Hektoliter500 Hektoliter
Exportanteil (aktuell)25%Minimal (Ausnahmen)

Zoller-Hof ist bekannt für ein sehr üppiges Angebot für eine regionale Brauerei ihrer Größe. Mit mindestens 35 verschiedenen Bier- und Getränkesorten bedienen sie eine breite Palette an Geschmäckern und Trends. Sie bringen regelmäßig neue Produkte auf den Markt, wie zuletzt Hard Seltzer oder die Biobier-Linie Bioalb. Das meistverkaufte Bier ist das Export, für das Geschäftsführer Ralf Rakel prominent wirbt. Auch das beliebte Zwickel ist nun als Biobier in der 0,5-Liter-Euroflasche erhältlich.

Die Adler-Brauerei in Hundersingen konzentriert sich auf ein kleineres, aber feines Sortiment von fünf verschiedenen Sorten. Das Kernangebot bilden ein helles Bier namens Spezial und ein naturtrübes Zwickel. Ergänzt wird dies durch ein Roggenbier und ein Hefeweizen. Saisonal probiert Braumeister Bischofberger auch Neues aus, wie beispielsweise ein Festbier zur Weihnachtszeit. Diese Konzentration auf wenige, aber sorgfältig gebraute Sorten spiegelt den Charakter einer traditionellen Kleinbrauerei wider.

Ausstoß und Exportmärkte

Die Braubranche hat in den letzten Jahren turbulente Zeiten erlebt, was sich auch im Ausstoß widerspiegelt. Der Zoller-Hof verzeichnete im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit einen Rückgang um rund 16 Prozent. Aktuell liegt der Ausstoß, inklusive alkoholfreier Getränke, bei etwa 73.000 Hektolitern. Um diese Zahl greifbarer zu machen: Das entspricht rund 14,6 Millionen Halbe Bier.

Die Adler-Brauerei agiert in einer ganz anderen Größenordnung. Ihr Ausstoß, der in erster Linie zur Belieferung des eigenen Gasthauses dient, liegt konstant bei rund 500 Hektolitern pro Jahr. Das sind etwa 100.000 Halbe.

Auch beim Export zeigen sich deutliche Unterschiede. Der Umsatzrückgang bei Zoller-Hof ist unter anderem auf eine angespannte Situation am Weltmarkt zurückzuführen. Der Exportanteil ist von 38 Prozent vor Corona auf aktuell 25 Prozent gesunken. Die Zahl der Länder, in die Zoller-Hof exportiert, hat sich von über 20 auf etwa zwölf reduziert, wobei der asiatische Markt weggefallen ist. Frankreich und Italien bleiben wichtige Absatzmärkte für die Sigmaringer Brauerei.

Das Bier aus Hundersingen erschließt weltweite Märkte nur in Ausnahmefällen. Es wird hauptsächlich im Gasthaus Adler ausgeschenkt und über den eigenen Getränkemarkt verkauft. Lieferungen erfolgen an Privatkunden und einzelne Geschäfte, aber nicht an andere Gastronomiebetriebe. Ein überregionaler Vertrieb findet über einen Online-Handel für Biersorten statt, der gelegentlich Anfragen aus der Ferne generiert – es wurden sogar schon Kisten bis nach Norwegen verschickt. Der Export spielt hier jedoch eine untergeordnete Rolle im Vergleich zum regionalen Fokus.

Mitarbeiter und Betriebsgröße

Die Zahl der Mitarbeiter verdeutlicht ebenfalls die unterschiedliche Größe der Betriebe. Zoller-Hof beschäftigt in Produktion, Logistik und Verwaltung insgesamt 52 Mitarbeiter. Die Adler-Brauerei hingegen wird im Kern von Braumeister Andreas Bischofberger und seinem Vater Anton geführt. An Abfülltagen verstärken bis zu vier Aushilfskräfte das Team. Dieses schlanke Team ermöglicht es der Adler-Brauerei, sehr flexibel und handwerklich zu agieren.

Aktuelle Lage und Herausforderungen

Beide Brauereien haben Wege gefunden, sich in der sich wandelnden Marktsituation zu behaupten und zu investieren.

Wem gehört die Zoller Brauerei?
1845 von Carl Fidelis Graf gegründet, befindet sich die Brauerei bis heute in Familienbesitz. Die Inhaberin Claudia Sieben und ihr Ehemann Ralf Rakel führen das Unternehmen in sechster Generation.

Zoller-Hof sichert sich Absatzwege in der heimischen Gastronomie durch eigene Gastronomiegesellschaften wie die CR Gastro GmbH, die Ralf Rakel zusammen mit Soufyen Charni führt. Das Unternehmen betreibt dadurch auch Gaststätten in Eigenregie, beispielsweise in Überlingen. Ein neues Aushängeschild ist das Brauwerk Zoller-Hof am Karlsplatz, das den früheren Brauereigasthof ersetzt. Die Brauerei investiert kontinuierlich in neue Brautechnik, zuletzt in die Fassfüllanlage und die Limoabfüllung. Auch das Branding wurde mit dem Ersatz der beigefarbenen Kästen durch holzfarbene erneuert. Trotz der Herausforderungen ist Zoller-Hof vergleichsweise gut durch die Krise gekommen, was die jüngsten Investitionen belegen.

Die Adler-Brauerei in Hundersingen bleibt ihrem Brauereigasthof treu, der das Markenzeichen des Familienbetriebs ist. In den letzten Jahren investierte die Familie Bischofberger rund 300.000 Euro in das Brauhaus, wobei Vater und Sohn einen Großteil der Arbeiten in Eigenleistung erbrachten. Braumeister Andreas Bischofberger sieht die Marktlage im Wandel zugunsten von hochwertigen Kleinbrauereien. Er beobachtet, dass Kunden bereit sind, für ein handwerklich gebrautes Bier, das länger gelagert und geschmacklich runder ist, höhere Preise zu zahlen – etwa 18 bis 20 Euro pro Kiste.

Beide Brauereien stehen jedoch auch vor Herausforderungen. Für Zoller-Hof sind dies steigende Energiekosten und die Suche nach geeignetem Personal. Die Adler-Brauerei ist dank einer Photovoltaikanlage, die mehr Strom erzeugt als verbraucht wird, weniger von Energiekosten betroffen. Ihre Hauptaufgabe wird der Generationenwechsel sein, der bereits eingeleitet ist. Andreas Bischofberger muss, wie viele Gastronomen, Personal für den Gastronomiebetrieb finden und hofft dabei auf den Charme des Familienbetriebs setzen zu können.

Die Welt des Fassbiers: Kosten und Unterschiede

Nachdem wir uns die Brauereien angesehen haben, werfen wir einen Blick auf das Produkt, das sie herstellen und das oft in der Gastronomie, aber auch bei Feiern zu Hause eine Rolle spielt: das Fassbier.

Die Frage „Was kostet ein Fass Bier?“ ist nicht pauschal zu beantworten, da die Preise wie bei anderen Lebensmitteln schwanken und von mehreren Faktoren abhängen. Die wichtigsten sind die Fassgröße und die Biersorte. Manche Sorten sind teurer, andere günstiger, was jedoch nichts über die Qualität aussagen muss. Eine Analyse zeigte sogar, dass viele getestete Biere eine gute oder sehr gute Bewertung erhielten, unabhängig vom Preis.

Die Wahl der Biersorte ist letztlich Geschmackssache. Die Vielfalt ist groß: Pils, Kölsch, Weizen, Dunkelbier, Bockbier, Lager, Zwickl, Radler, Alkoholfrei – für jeden Gaumen gibt es das passende Bier mit unterschiedlichen Noten von Malzsüße, Hopfenherbe oder Säure.

Preisübersicht für Bierfässer

Hier ist eine Übersicht der durchschnittlichen Preise für verschiedene Fassgrößen:

FassgrößePreisspanne (ca.)Literpreis (ca.)Pfand (ca.)
50 Liter90,- bis 150,- Euro1,80 bis 3,- Euro30,- Euro
30 Liter60,- bis 80,- Euro2,- bis 2,60 Euro30,- Euro
20 Liter45,- bis 55,- Euro2,25 bis 2,75 Euro25,- Euro
5 Liter (Partyfass)9,- bis 25,- Euro1,80 bis 5,00 EuroKein Pfand

Die Preise variieren je nach Biermarke und Hersteller. Das Pfand kommt immer zum Kaufpreis hinzu, außer bei den kleinen 5-Liter-Partyfässchen.

Partyfässer vs. Große Bierfässer

Für den privaten Konsum, etwa bei Geburtstagen oder Grillabenden, eignen sich besonders die kleineren Fässer von 5 bis 20 Litern. Die 5-Liter-Partyfässchen sind kompakt, leicht zu handhaben und können sogar im Kühlschrank vorgekühlt werden. Sie sind in der Regel zwischen 30 und 45 cm hoch und wiegen gefüllt zwischen 15 und 40 kg (je nach Größe). Partyfässchen sind oft mit dem grünen Punkt versehen und recycelbar. Größere Fässer mit 30 oder 50 Litern sind Standard in der Gastronomie und bei größeren Feiern. Für Großveranstaltungen gibt es teilweise sogar Fässer bis 200 Liter.

Wichtig ist bei Fassbieren auch der Anschluss für den Zapfkopf, der je nach Hersteller variieren kann. Es gibt Schiebevarianten wie den Flach- oder Kombizapfkopf und Schraubsysteme wie den Korb- oder Köpi-Zapfkopf. Der richtige Zapfkopf ist entscheidend für das Zapferlebnis.

Der Unterschied: Fassbier vs. Flaschenbier

Obwohl die Zutaten und der Brauprozess bei Fass- und Flaschenbier identisch sind, schmeckt frisch gezapftes Bier für viele spritziger und frischer. Das liegt daran, dass Fassbier in der Regel etwa 5% mehr Kohlensäure enthält als Flaschenbier. Diese höhere Karbonisierung sorgt für feineres Perlen, einen spritzigeren Geschmack und eine cremigere Schaumkrone.

Vorteile von Fassbier

Fassbier bietet einige deutliche Vorteile. Im Fass ist das Bier optimal vor schädlichen Umwelteinflüssen wie hohen Temperaturen und UV-Strahlung geschützt, die die Qualität beeinträchtigen können. Daher sollten Bierfässer kühl und dunkel gelagert werden. Auch in Sachen Nachhaltigkeit punktet Fassbier. Der Transport von Fässern ist oft effektiver und umweltschonender als der von Flaschen. Zudem wird Fassbier weniger umgeladen und geschüttelt, was sich positiv auf die Qualität auswirkt.

Häufig gestellte Fragen

  • Wem gehört die Zoller-Hof Brauerei?
    Die Zoller-Hof Brauerei befindet sich in Familienbesitz und wird aktuell von Inhaberin Claudia Sieben und ihrem Ehemann Ralf Rakel in sechster Generation geführt.
  • Wie viele Biersorten hat die Zoller-Hof Brauerei im Angebot?
    Zoller-Hof bietet mindestens 35 verschiedene Bier- und Getränkesorten an, darunter viele neue Produkte und Biobiere.
  • Wie alt ist die Adler-Brauerei in Hundersingen?
    Die Adler-Brauerei wurde spätestens 1704 von Jakob Bischofberger übernommen und existiert möglicherweise schon länger. Sie wird heute in elfter Generation geführt.
  • Was kostet durchschnittlich ein 50-Liter-Fass Bier?
    Der Preis für ein 50-Liter-Fass Bier liegt durchschnittlich zwischen 90 und 150 Euro, zuzüglich etwa 30 Euro Pfand.
  • Warum schmeckt Fassbier oft frischer als Flaschenbier?
    Fassbier enthält in der Regel etwa 5% mehr Kohlensäure, was zu einem spritzigeren Geschmack und einer feineren Schaumkrone führt.
  • Muss man für ein 5-Liter-Partyfässchen Pfand bezahlen?
    Nein, für die kleinen 5-Liter-Partyfässchen wird in der Regel kein Pfand erhoben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Brauereien im Kreis Sigmaringen, repräsentiert durch die große Zoller-Hof Brauerei und die traditionsreiche Adler-Brauerei, die Vielfalt des deutschen Bierhandwerks widerspiegeln. Gleichzeitig zeigt die Betrachtung der Bierfässer, wie das Produkt letztlich beim Konsumenten ankommt und welche Vorzüge das frisch gezapfte Bier mit sich bringt – ein Genuss, der Tradition und Moderne verbindet.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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