Das Glockenspiel im Neuen Rathaus am Münchner Marienplatz ist seit über einem Jahrhundert ein absoluter Publikumsmagnet. Tag für Tag versammeln sich Einheimische und Gäste aus aller Welt, um das faszinierende Schauspiel der beweglichen Figuren zu bestaunen. Doch was viele nicht wissen: Hinter der glitzernden Fassade verbirgt sich noch immer echte Handarbeit und eine komplexe Mechanik, die mit Hingabe gepflegt wird.

Um das berühmte Glockenspiel in Aktion zu erleben, sollten Sie wissen, wann die Figuren ihre Runden drehen. Es gibt feste Zeiten, zu denen das historische Schauspiel zum Leben erwacht.
Die Spielzeiten des Münchner Glockenspiels
Das Glockenspiel am Marienplatz ist mehrmals täglich zu bestaunen:
- Täglich um 11:00 Uhr
- Täglich um 12:00 Uhr
- Zusätzlich von März bis Oktober um 17:00 Uhr
Diese Aufführungen zeigen die beiden Hauptszenen, die das Glockenspiel so berühmt gemacht haben: das Ritterturnier und den Schäfflertanz.
Doch es gibt noch eine weitere, oft als Geheimtipp gehandelte Vorführung am Abend:
- Täglich um 21:00 Uhr
Bei dieser späten Vorstellung bläst der Nachtwächter in sein Horn, während ein Engel das Münchner Kindl segnet. Begleitet wird diese Szene vom Wiegenlied von Johannes Brahms. Ein besinnlicher Abschluss des Tages auf dem Marienplatz.
Die faszinierenden Szenen: Ritterturnier und Schäfflertanz
Das Glockenspiel im Rathausturm stellt zwei bedeutende Ereignisse aus der Münchner Geschichte dar, die sich im 16. Jahrhundert zugetragen haben.
Das Ritterturnier
Die obere Etage des Glockenspiels zeigt ein Ritterturnier, das im Februar 1568 zur Feier der Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen auf dem Marienplatz stattfand. Die Figuren stellen den Hochzeitszug und das anschließende Turnier dar. Besonders spannend ist der Zweikampf zwischen dem bayerischen Ritter und seinem lothringischen Gegner. Im Spielverlauf wird der bayerische Ritter triumphieren und den Lothringer von seinem Pferd stoßen. Diese Szene ist ein fester Bestandteil der täglichen Vorführungen um 11, 12 und 17 Uhr.
Der Schäfflertanz
Auf der unteren Etage wird der berühmte Schäfflertanz dargestellt. Diese Tradition geht auf eine schwere Pestepidemie zurück, die München in den Jahren 1515 und 1517 heimsuchte. Der Legende nach waren es die Fassmacher (Schäffler), die sich nach dem Abklingen der Seuche als Erste wieder auf die Straßen wagten und mit ihrem Tanz die verängstigte Bevölkerung aufheiterten und ermutigten. Der Schäfflertanz symbolisiert die Überwindung der Pest und die Rückkehr zum Leben. Dieser Tanz wird auch heute noch von echten Schäfflern alle sieben Jahre in München aufgeführt (das nächste Mal im Jahr 2026).
Am Ende der Hauptvorführungen kräht traditionell ein goldener Hahn dreimal aus der obersten Kammer des Turms, um das Ende des Schauspiels zu markieren.

Ein Blick hinter die Kulissen: Technik und Teamwork
Was von außen wie ein einfaches, mechanisches Spiel aussieht, ist in Wirklichkeit ein komplexes Zusammenspiel von alter Technik und menschlichem Einsatz. Das elektromechanische Glockenspiel funktioniert im Prinzip noch fast genauso wie bei seiner Installation vor über 100 Jahren.
Ein zehnköpfiges Team ist das ganze Jahr über dafür verantwortlich, dass das Glockenspiel reibungslos funktioniert. An 364 Tagen im Jahr (nur am Karfreitag steht es still) sorgen sie dafür, dass die Figuren pünktlich erscheinen und die Musik erklingt. Dabei ist präzise Arbeit gefragt, denn schon wenige Minuten Verspätung würden die ersten Nachfragen beim Rathauspförtner hervorrufen.
Die Steuerung des Glockenspiels beginnt in der sogenannten Schaltzentrale im fünften Stock des Turms. Sie sieht überraschend unscheinbar aus, fast wie eine alte Vitrine. Unter Glas befinden sich die Schalthebel, mit denen die einzelnen Teile des Glockenspiels dirigiert werden. Hier schaltet ein Mitarbeiter von Hand zunächst die musikalische Begleitung und dann, nach einer festgelegten Choreografie, die einzelnen Figuren und Figurengruppen hinzu. Sogar der krähende Hahn und der „Hanswurst“ unter den Schäfflern werden manuell zugeschaltet.
Im achten Stock, auf Höhe der Aussichtsplattform, befindet sich das Herzstück der Musik: die Spielwalzen. Eine purpurrote Walze, besetzt mit kleinen Metallstiften, dreht sich. Die Anordnung dieser Stifte programmiert die mehrstimmigen Melodien. Jeder Stift löst über ein Relais einen Schlag auf eine der Glocken aus – ähnlich dem Prinzip einer Spieldose.
Insgesamt besitzt das Glockenspiel sechs Walzen mit einem Repertoire von 22 verschiedenen Melodien. Diese stammen überwiegend aus dem volkstümlichen Liedgut des frühen 20. Jahrhunderts. Die Walzen werden saisonal gewechselt; so sind beispielsweise im März und August die Melodien der Walze 3 zu hören, während Walze 6 nur in der Adventszeit zum Einsatz kommt. Versuche, moderne Musik einzuspielen, stießen in der Vergangenheit auf wenig Gegenliebe.
Im zehnten Stock, dem Maschinenraum, kommt die Musik dann wirklich zum Klingen. Hier oben ist es zugig und es riecht nach Öl. Die Impulse von der Musikwalze steuern hier 44 gut geölte Spielwerke (eines davon ist Ersatz). Über Ketten und Zahnräder werden Zugvorrichtungen in Bewegung gesetzt, die letztendlich dafür sorgen, dass die Klöppel gegen die Glocken schlagen.
Die Pflege und Wartung dieser über 100 Jahre alten Technik ist aufwendig. Einzelteile müssen geschliffen, geschmiert, Kontakte poliert und Schrauben nachgezogen werden. Rädchen, Zahnräder und Anschläge müssen regelmäßig ersetzt werden. Das Team betrachtet Fehler nicht als Rückschlag, sondern als wertvolle Erfahrung. Jeder Defekt hilft, die Funktionsweise des komplexen Systems besser zu verstehen. Es braucht Jahre, um das Glockenspiel wirklich gut zu kennen und die Abläufe sekundengenau zu steuern. Am Ende jeder Vorstellung ist der Applaus der Zuschauer auf dem Marienplatz die schönste Bestätigung für die Arbeit des Teams.

Die Figuren: Mehr als nur Mechanik
Die 32 lebensgroßen Figuren des Glockenspiels sind detailreich gestaltet und tragen historische Kostüme. Sie bestehen aus Kupfer und wurden erst kürzlich ausgebaut, restauriert und neu gestrichen.
Zu den beeindruckenden Figuren gehören:
- Der Standartenträger: Erkennbar an den bayerischen Rauten und dem Löwen auf seiner Flagge.
- Der Fanfarenspieler: Ein Herold, der an 364 Tagen im Jahr ausrückt, um das Turnier anzukündigen.
- Der Page: Teil des Hofstaats, gekleidet in einen grasgrünen Hut und rotes Wams.
- Der Ritter Lothringen: Die 2,10 Meter hohe Reiterfigur ist der „ewige Verlierer“ des Turniers und muss nach jeder Vorstellung manuell wieder aufgerichtet werden.
- Der bayerische Ritter: Der strahlende Sieger des Turniers.
Auch die Schäfflerfiguren in der unteren Etage wurden restauriert und tragen zu dem lebendigen Schauspiel bei.
Die 43 Glocken im Glockenstuhl
Im obersten Stockwerk, dem Glockenstuhl, befinden sich die 43 Glocken, die das Glockenspiel zum Klingen bringen. Zum 850. Stadtgeburtstag Münchens im Jahr 2008 wurden alle Glocken ausgebaut, gereinigt, aufgearbeitet, klanglich überarbeitet und neu gestimmt – finanziert durch großzügige Spenden der Münchner Bevölkerung.
Auch wenn das Glockenspiel meist harmonisch klingt, ist die alte Technik anfällig für Witterungseinflüsse. Hitze oder Kälte können das Metall verziehen oder Schrauben lösen, was zu Missklängen führen kann. Eine einzelne ausfallende Glocke liegt noch im Toleranzbereich, aber das Team spürt sofort, wenn etwas nicht stimmt und setzt alles daran, das Problem zu beheben. Ihre Leidenschaft für das Glockenspiel sorgt dafür, dass dieses einzigartige Spektakel Tag für Tag für die Freude der Besucher erhalten bleibt.
Mehr als nur das Glockenspiel: Turm und Rathaus
Ein Besuch des Marienplatzes bietet mehr als nur das Glockenspiel.
Turm-Auffahrt
Die Auffahrt zur Aussichtsgalerie im Rathausturm ist sehr zu empfehlen. Von hier aus hat man einen fantastischen Panoramablick über den Marienplatz, die Altstadt mit den Zwiebeltürmen der Frauenkirche und bei klarer Sicht sogar bis zu den Alpen im Süden, den Olympiapark im Norden und die Allianz Arena.
Rathaus-Tour
Das Neue Rathaus selbst ist ein beeindruckendes Gebäude im neugotischen Stil und wird oft als „schönstes Rathaus des Landes“ bezeichnet. Es wurde zwischen 1867 und 1909 erbaut. Offizielle Führungen durch das Rathaus geben Einblicke in die Geschichte, Architektur und die Funktion des Stadtverwaltungsgebäudes. Diese Touren beleuchten verschiedene Aspekte Münchens, von Politik bis hin zu historischen Traditionen.

Der Marienplatz: Das Herz Münchens
Der Marienplatz ist nicht nur der Standort des Glockenspiels, sondern das historische und soziale Zentrum Münchens. Seit der Stadtgründung im Jahr 1158 diente er als Marktplatz, bevor er 1854 während einer Choleraepidemie der Gottesmutter Maria gewidmet wurde. Auch wenn der Markt heute am Viktualienmarkt stattfindet, ist der Marienplatz weiterhin ein lebendiger Treffpunkt und ein Muss für jeden München-Besucher.
Anfahrt zum Marienplatz
Der Marienplatz liegt sehr zentral und ist hervorragend an das öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden:
- U-Bahn: Linien U3 und U6
- S-Bahn: Linien S1 bis S8
- Bus: Linie 52
Alle diese Linien halten direkt an der Haltestelle Marienplatz.
Häufig gestellte Fragen zum Münchner Glockenspiel
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Glockenspiel am Marienplatz:
Zu welchen Uhrzeiten kann man das Glockenspiel am Marienplatz erleben?
Das Glockenspiel findet täglich um 11:00 Uhr und 12:00 Uhr statt. Von März bis Oktober gibt es zusätzlich eine Aufführung um 17:00 Uhr. Jeden Abend um 21:00 Uhr wird eine besondere Szene mit dem Nachtwächter und dem Münchner Kindl gezeigt.
Wie alt ist das Glockenspiel in München?
Das Glockenspiel ertönte erstmals im Jahr 1908 und ist somit über 100 Jahre alt.
Welche Szenen sind im Glockenspiel dargestellt?
Das Glockenspiel zeigt zwei Szenen: ein Ritterturnier zur Hochzeit von Herzog Wilhelm V. und Renate von Lothringen im Jahr 1568 sowie den Schäfflertanz, der auf die Überwindung der Pestepidemie im Jahr 1517 zurückgeht.
Wie viele Glocken hat das Glockenspiel?
Das Glockenspiel verfügt über 43 Glocken.
Wie viele Figuren hat das Glockenspiel?
Das Glockenspiel hat 32 bewegliche Figuren.
Das Münchner Glockenspiel ist ein einzigartiges Zusammenspiel von Geschichte, Kunst und Technik, das bei jedem Besuch aufs Neue begeistert. Planen Sie Ihren Besuch so, dass Sie dieses wunderbare Spektakel nicht verpassen!
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