Wann wurde das Haus Kammerzell gebaut?

Maison Kammerzell: Geschichte & Genuss

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Inmitten des historischen Herzens von Straßburg, direkt am Fuße des majestätischen Münsters, steht ein Gebäude, das mehr ist als nur Architektur – es ist ein lebendiges Stück Geschichte, ein Wahrzeichen der Stadt und heute die Heimat eines angesehenen Restaurants und eines kleinen Hotels: das Haus Kammerzell. Bekannt als das berühmteste Profangebäude Straßburgs, zieht es mit seiner unvergleichlichen Fassade und seiner tiefen historischen Verwurzelung Besucher aus aller Welt in seinen Bann.

Wann wurde das Haus Kammerzell gebaut?
1427Das Haus Kammerzell (auch Kammerzellhaus, Französisch: Maison Kammerzell, Elsässisch: Kammerzellhüs) ist ein umgebautes bürgerliches Fachwerkhaus und das bekannteste Profangebäude in Straßburg. Es wurde 1427 errichtet, allerdings mehrfach umgebaut, erstmals 1467.

Historische Wurzeln: Bau und Umbauten

Die Geschichte des Hauses Kammerzell reicht weit zurück. Seine Fundamente wurden bereits im Jahr 1427 gelegt. Ursprünglich als bürgerliches Fachwerkhaus errichtet, erfuhr das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte mehrere bedeutende Umgestaltungen, die zu seinem heutigen Erscheinungsbild führten. Eine erste dokumentierte Anpassung fand bereits 1467 statt. Aus dieser frühen Phase ist das massive steinerne Erdgeschoss, das dem Zahn der Zeit widerstanden hat, bis heute erhalten geblieben und zeugt von der soliden Bauweise des Mittelalters.

Die prägendste Umgestaltung, die dem Haus Kammerzell seine heutige charakteristische Gestalt verlieh, erfolgte jedoch im späten 16. Jahrhundert. Im Jahr 1571 erwarb der wohlhabende Käsehändler Martin Braun das Anwesen. Unter seiner Ägide wurde das Gebäude 1589 erweitert und verschönert. Braun fügte drei leicht auskragende Etagen hinzu, die mit einer außergewöhnlich reichen Schnitzfassade verziert wurden, die bis heute erhalten ist. Darüber hinaus wurden drei Dachetagen aufgesetzt, die dem Haus seine imposante Höhe verleihen. Diese Phase der Baugeschichte markiert den Übergang von einer einfacheren Struktur zu dem kunstvollen Meisterwerk, das wir heute bewundern.

Eine weitere wichtige Etappe in der Geschichte des Hauses war eine umfassende Restaurierung im Jahr 1892. Diese sorgfältigen Arbeiten trugen dazu bei, die wertvolle historische Substanz des Gebäudes für zukünftige Generationen zu sichern und seine architektonische Pracht zu erhalten.

Die Fassade: Ein Meisterwerk der Schnitzkunst

Die Fassade des Hauses Kammerzell ist zweifellos sein auffälligstes Merkmal und ein herausragendes Beispiel spätgotischer Schnitzkunst, angereichert mit Elementen der Renaissance. Sie erzählt Geschichten und spiegelt die Weltanschauung ihrer Zeit wider. Die Schnitzereien zeigen eine faszinierende Mischung aus profanen und sakralen Elementen. Man findet biblische Darstellungen neben Einflüssen der griechisch-römischen Antike und Motiven aus dem Mittelalter. Diese Vielfalt macht die Fassade zu einem wahren Bilderbuch der Epoche, das bei genauer Betrachtung immer wieder neue Details offenbart.

Im Inneren: Kunst und Atmosphäre

Auch das Innere des Hauses Kammerzell birgt künstlerische Schätze. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1905, wurden im Inneren Wandmalereien von Léo Schnug geschaffen. Diese Gemälde tragen zur einzigartigen Atmosphäre des Hauses bei. Eine der bekanntesten dieser Malereien befindet sich im Erdgeschoss und stellt das berühmte Narrenschiff von Sebastian Brant dar – ein Werk, das ebenfalls tiefe Wurzeln in der europäischen Geistesgeschichte hat und die Verbindung des Hauses zur Kultur und Geschichte unterstreicht.

Das Haus Kammerzell heute: Restaurant und Hotel

Heute ist das historische Haus Kammerzell nicht nur ein Museumsstück, sondern ein lebendiger Ort der Gastlichkeit. Es beherbergt das renommierte Restaurant „Maison Kammerzell“, das es seinen Gästen ermöglicht, in einem Ambiente von unvergleichlichem historischen Charme zu speisen. Zudem findet sich in den oberen Etagen ein kleines Hotel mit neun Zimmern, das eine einzigartige Übernachtungserfahrung in einem der historischsten Gebäude Straßburgs bietet.

Ein Teil renommierter Gastronomie

Das Restaurant „Maison Kammerzell“ gehört zu einer angesehenen Gruppe von Gastronomiebetrieben, den „Les Grandes Brasseries de l'Est“. Diese Gruppe vereint mehrere stilvolle Traditionslokale, die für ihre Qualität und ihr besonderes Ambiente bekannt sind. Zu dieser Gruppe zählen neben dem Maison Kammerzell weitere prominente Adressen wie die Brasserie Excelsior in Reims, die Brasserie Floderer in Paris, die Brasserie Excelsior in Nancy, das Bouillon Julien ebenfalls in Paris und die Brasserie Floderer in Straßburg. Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe unterstreicht den Anspruch des Maison Kammerzell an Gastfreundschaft und gastronomisches Niveau.

Architektonische Bedeutung

Das Haus Kammerzell gilt als eines der schönsten Fachwerkhäuser der deutschen Spätgotik. Seine Bedeutung wird oft durch den Vergleich mit anderen bedeutenden Fachwerkbauten der Zeit hervorgehoben. Es wird in einem Atemzug genannt mit dem Salzhaus in Frankfurt am Main, das leider 1944 zerstört wurde, oder dem Knochenhaueramtshaus in Hildesheim, das nach seiner Zerstörung wiederaufgebaut wurde. Was das Haus Kammerzell jedoch besonders auszeichnet und von diesen Beispielen unterscheidet, ist die Tatsache, dass es in seiner Originalsubstanz erhalten geblieben ist. Dies macht es zu einem unschätzbaren Zeugnis mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Baukunst.

Um die Einzigartigkeit des Hauses Kammerzell im Kontext anderer berühmter Fachwerkbauten der Epoche zu verdeutlichen, kann ein kurzer Vergleich hilfreich sein:

GebäudeStatus im VergleichZeitliche Einordnung prägender Elemente
Haus Kammerzell (Straßburg)Original erhalten15. & 16. Jahrhundert (Spätgotik/Renaissance)
Salzhaus (Frankfurt am Main)1944 zerstört16. Jahrhundert (Renaissance)
Knochenhaueramtshaus (Hildesheim)Wiederaufgebaut16. Jahrhundert (Renaissance)

Dieser Vergleich unterstreicht die Seltenheit und den Wert des original erhaltenen Hauses Kammerzell.

Lage und Umgebung

Die Lage des Hauses Kammerzell ist eine seiner größten Stärken. Es befindet sich auf der Nordseite des Münsterplatzes (Place de la Cathédrale), in unmittelbarer Nachbarschaft zum weltberühmten Straßburger Münster. Diese prominente Position macht das Gebäude zu einem zentralen Anziehungspunkt und zu einem idealen Ausgangspunkt für die Erkundung der Altstadt von Straßburg. Die Nähe zum Münster, einem Meisterwerk gotischer Architektur, schafft ein Ensemble von historischer und kultureller Bedeutung, das seinesgleichen sucht.

Kurioses Detail: Literarische Verbindung

Interessanterweise hat das Haus Kammerzell auch eine Verbindung zur Literatur. Es gilt als Geburtsort der fiktiven Detektivgestalt Honoré Langustier, was dem Gebäude eine zusätzliche, charmante Ebene der Bekanntheit verleiht und seine Präsenz in der Kulturwelt über die Architektur und Gastronomie hinaus erweitert.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wann wurde das Haus Kammerzell ursprünglich gebaut?

Das Haus Kammerzell wurde ursprünglich im Jahr 1427 errichtet.

Was macht die Fassade so besonders?

Die Fassade ist für ihre reiche Schnitzkunst bekannt, die 1589 hinzugefügt wurde. Sie zeigt eine Mischung aus profanen und sakralen Elementen sowie Einflüsse aus der Bibel, der griechisch-römischen Antike und dem Mittelalter.

Beherbergt das Haus Kammerzell nur ein Restaurant?

Nein, neben dem Restaurant „Maison Kammerzell“ beherbergt das Gebäude auch ein kleines Hotel mit neun Zimmern.

Gehört das Restaurant zu einer Kette?

Ja, das Restaurant „Maison Kammerzell“ ist Teil der Gruppe „Les Grandes Brasseries de l'Est“, die mehrere stilvolle Traditionslokale betreibt.

Wo befindet sich das Haus Kammerzell?

Das Haus Kammerzell liegt in Straßburg auf der Nordseite des Münsterplatzes (Place de la Cathédrale), direkt neben dem Straßburger Münster.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Haus Kammerzell ein einzigartiger Ort ist, der Geschichte, Architektur, Kunst und Gastronomie auf faszinierende Weise vereint. Ein Besuch dieses legendären Gebäudes ist ein unvergessliches Erlebnis, das tiefe Einblicke in die reiche Vergangenheit Straßburgs bietet, während man gleichzeitig die Annehmlichkeiten eines modernen Restaurants oder Hotels genießen kann.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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