Der Hauptbahnhof Nürnberg ist weit mehr als nur ein Ort, an dem Züge ankommen und abfahren. Er ist ein lebendiges Denkmal der Verkehrsgeschichte, ein architektonisch bedeutendes Gebäude und ein zentraler Knotenpunkt, der täglich Tausende von Menschen willkommen heißt. Seine Geschichte reicht weit zurück, und sein heutiges Erscheinungsbild erzählt von verschiedenen Epochen, Zerstörung und Wiederaufbau.

Das heutige, repräsentative Empfangsgebäude wurde zwischen 1900 und 1906 nach Plänen von Carl Zenger im Stil des Neubarock errichtet. Es löste einen älteren Bau aus dem Jahr 1846 ab, der im neugotischen Stil von Eduard Rüber entworfen worden war. Die Fassaden des jetzigen Gebäudes sind aus Krensheimer Muschelkalk gefertigt und zeugen von der Baukunst der Jahrhundertwende. Besonders auffällig sind die reich verzierten Portale der einzelnen Hallen, die Symbole des technischen Fortschritts wie das Flügelrad über dem Portal der Mittelhalle zeigen.
Architektonische Highlights: Ein Blick in die Vergangenheit
Ein besonderes Juwel im Nürnberger Hauptbahnhof ist der Jugendstilsaal. Dieser Saal, der heute das Reisezentrum beherbergt, wurde von Bruno Paul zwischen 1904 und 1905 gestaltet. Er zeichnet sich durch dezente Stuckverzierungen an der Decke und zwei beeindruckende Mosaike von Julius Diez an den Wänden aus. Bemerkenswert ist, dass der Jugendstilsaal einer der wenigen Bereiche des Bahnhofs ist, der die schweren Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs weitgehend unbeschadet überstanden hat. Vor dem Hauptportal steht zudem eine historische Litfaßsäule aus dem frühen 20. Jahrhundert, die das historische Flair unterstreicht.
Nach den Kriegsschäden im Jahr 1944, die unter anderem die charakteristische Kuppel zerstörten (sie wurde später in wesentlich einfacherer Form wieder aufgebaut), gab es in den 1950er Jahren Pläne, die neubarocke Architektur im Sinne der Nürnberger Gotik umzugestalten. Diese Bauarbeiten wurden jedoch kurz nach Beginn wieder eingestellt, sodass nur wenige Bereiche verändert wurden. Die umfassende Modernisierung des Empfangsgebäudes in den 1990er Jahren wurde nach Plänen von FIS-Architekten aus Aachen durchgeführt und trug dazu bei, den Bahnhof fit für die Anforderungen der modernen Zeit zu machen. Heute steht das gesamte Empfangsgebäude unter Denkmalschutz.
Vom Kopfbahnhof zum zentralen Drehkreuz
Die Geschichte des Bahnverkehrs in Nürnberg begann nicht am heutigen Hauptbahnhof, sondern mit der ersten Bahnfahrt Deutschlands an einem privat geführten Bahnhof am Plärrer. Schon zehn Jahre später wurde jedoch ein Neubau nötig, und an der heutigen Stelle entstand zunächst ein Kopfbahnhof. Zu dieser Zeit hatten alle Bahnlinien ihre eigenen Endbahnhöfe, es gab keine Durchgangsverbindungen.
Zwischen 1850 und 1900 verdreifachte sich das Verkehrsaufkommen drastisch, nicht zuletzt durch den Anschluss neuer Verbindungen nach Schwabach, Hersbruck, Regensburg und Ansbach. Dies machte einen erneuten und größeren Neubau unausweichlich. Unter Baumeister Karl Gustav Zenger wurde ab 1900 das heutige Gebäude errichtet, das sechs Jahre später, im Jahr 1906, in Betrieb genommen wurde. Damit wandelte sich der Bahnhof von einem reinen Kopfbahnhof zu einem Durchgangsbahnhof, der dem stark gestiegenen Verkehrsaufkommen und den Anforderungen des durchgehenden Zugverkehrs besser gerecht werden konnte.
Heute ist der Nürnberger Hauptbahnhof der zweitgrößter Bahnhof Bayerns und ein unverzichtbarer Knotenpunkt im deutschen und europäischen Bahnnetz. Täglich frequentieren ihn rund 210.000 Reisende, die hier umsteigen, ihre Reise beginnen oder beenden. Er dient als wichtiger Zwischenstopp für ICE-Verbindungen, unter anderem auf den Achsen von München nach Dortmund, Hamburg oder Bremen. Neben dem Fern- und Nahverkehr der Deutschen Bahn laufen hier auch zahlreiche Linien der U-Bahn, Straßenbahn und Busse zusammen.
Infrastruktur und Gleisanlagen
Die Gleisanlagen des Nürnberger Hauptbahnhofs sind komplex und auf hohe Kapazität ausgelegt. Zwischen den Bahnsteiggleisen liegen die Durchfahrts-/Abstellgleise 10 und 11, die einen flexiblen Betriebsablauf ermöglichen. Südlich der Bahnsteige befinden sich die Bereitstellungsgleise 24 und 25, die für die Vorbereitung von Zügen genutzt werden. Im östlichen Bahnhofsvorfeld gibt es zudem eine größere Abstellanlage für Reisezüge. Interessanterweise sind die Haltepunkte Nürnberg-Dürrenhof und Nürnberg-Steinbühl betrieblich als Bahnhofsteile des Hauptbahnhofes definiert.
Umfassende Service- und Einkaufsangebote
Der Nürnberger Hauptbahnhof bietet seinen Reisenden und Besuchern eine breite Palette an Service- und Einkaufsmöglichkeiten. Die Deutsche Bahn betreibt ein Reisezentrum und einen Servicepoint in der Mittelhalle, die als zentrale Anlaufstellen dienen. Für bahn.bonus-comfort-Kunden und Reisende der 1. Klasse steht im ersten Obergeschoss eine DB Lounge zur Verfügung.

Besonderen Wert legt der Bahnhof auf die Barrierefreiheit. Das Bahnhofsgebäude sowie die Bahnsteige sind größtenteils barrierefrei zugänglich. Alle Ebenen der Bahnhofshalle können bequem über Rolltreppen und Aufzüge erreicht werden. Für sehbehinderte Reisende gibt es in der Bahnhofshalle einen speziellen Lageplan.
Im Untergeschoss des Bahnhofs leistet die Bahnhofsmission Nürnberg wertvolle Arbeit. Sie steht Reisenden, Wohnungslosen und am Bahnhof Arbeitenden mit Rat und Tat zur Seite. Seit 2011 verfügt die Bahnhofsmission zudem über eine spezielle Kinderlounge.
Der Nürnberger Hauptbahnhof ist auch ein Ort der Begegnung und Besinnung. Am Heiligen Abend und am Gründonnerstag findet in der Mittelhalle des Bahnhofs ein ökumenischer Gottesdienst mit Live-Musik statt.
Mit einer vermieteten Fläche von insgesamt 20.214 Quadratmetern beherbergt der Bahnhof zahlreiche Geschäfte. Insgesamt wurden 55 Läden vermietet, die von Geschäften des täglichen Bedarfs über Läden mit Reisebedarf bis hin zu Restaurants und Imbiss-Buden reichen. Weitere Einkaufsmöglichkeiten finden sich in der direkt angeschlossenen Königstorpassage.
Weitere praktische Einrichtungen umfassen ein Parkhaus mit 487 Stellplätzen, das Anfang 1999 in Betrieb genommen wurde, eine bahneigene Fundstelle im Untergeschoss für verloren gegangene Gegenstände, den Schalter für den IC-Kurierdienst sowie eine Gepäckaufbewahrung mit rund 500 Schließfächern. Der Taxistand befindet sich auf dem Bahnhofsvorplatz vor dem Westflügel.
Die Evolution der Stellwerkstechnik
Die Steuerung des komplexen Bahnbetriebs am Nürnberger Hauptbahnhof hat eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Um 1900 bedienten noch 116 Mitarbeiter im Schichtbetrieb Weichen und Signale dezentral per Hand für rund 100 Züge täglich. Zwischen 1907 und 1911 entstanden die ersten elektrischen Stellwerke, die den Personalbedarf auf 40 Mitarbeiter pro Schicht reduzierten. Ab 1913 lenkten 14 Turmstellwerke die mittlerweile 122 täglichen Züge. Verbesserungen in den 1930er Jahren, wie die Einführung der elektrischen Gleisfreimeldung, erhöhten die Sicherheit.
Die Zerstörung aller Stellwerke im Zweiten Weltkrieg machte provisorische Lösungen nötig. Im Zuge des Wiederaufbaus wurden durch weitere Zentralisierung vier Stellwerke aufgelassen. 1968 ging ein erstes Relaisstellwerk (Bauart SpDrS-60) in Betrieb. Ein Meilenstein war der Bau des neuen, zentralen Zentralstellwerks (Bezeichnung Nhf), dessen Bauarbeiten 1983 begannen und das Ende November 1988 in Betrieb genommen wurde. Dieses imposante Gebäude (40 m lang, 21 m hoch, 11 m breit) kostete 38,3 Millionen D-Mark und ermöglichte die Steuerung des gesamten Bereichs, inklusive angrenzender Bahnhöfe wie Fürth, Schweinau oder Mögeldorf. Die Planung des Zentralstellwerks war auch darauf ausgerichtet, die Voraussetzungen für die geplante Schnellfahrstrecke nach München zu schaffen. Mit seiner Inbetriebnahme wurden zehn alte, rund 70 Jahre alte Stellwerke außer Betrieb genommen, weitere folgten. Heute steuern spezialisierte Teams aus Fahrdienstleitern, Weichenwärtern und Teamleitern den Betrieb von diesem zentralen Punkt aus.
| Zeitraum | Technik | Personal (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Um 1900 | Manuell | 116 pro Schicht | Dezentrale Bedienung |
| 1907–1911 | Erste elektrische | 40 pro Schicht | Zentralisierung beginnt |
| 1913 | Elektrisch / Turmstellwerke | 40 pro Schicht | 14 Turmstellwerke in Betrieb |
| 1944 | Provisorien (fahrbar) | - | Nach Kriegszerstörung |
| 1968 | Relais (SpDrS-60) | - | Teilweiser Ersatz |
| 1988 | Zentralstellwerk (Nhf) | Spezialisierte Teams | Umfassende Zentralisierung, Vorbereitung SFS |
| Heute | Zentralstellwerk (Nhf) | Spezialisierte Teams | Moderne Steuerung des Gesamtbereichs |
Sicherheit als wichtiges Thema
Die Sicherheit am Nürnberger Hauptbahnhof ist ein komplexes Thema, das die Zusammenarbeit verschiedener Behörden erfordert. Die zuständige Polizeibehörde für das Bahngelände ist die Bundespolizeiinspektion Nürnberg. Für schwerere Straftaten und die Umgebung, einschließlich der Königstorpassage und der Haltestellen von U-Bahn und Straßenbahn, ist die Bayerische Polizei zuständig. Die DB Sicherheit GmbH ist ebenfalls im Bahnhof präsent und für Fahrkartenkontrollen und die Ausübung des Hausrechts befugt.

Seit einigen Jahren gibt es im Nürnberger Hauptbahnhof Alkoholverbote. Zunächst galt ab 2012 ein Verbot an den Abenden vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Seit dem 1. November 2018 gilt im gesamten Bahnhof ein dauerhaftes Alkoholverbot, das auch das Mitführen geöffneter Behältnisse einschließt. Ausgenommen sind gastronomische Betriebe. Bei Verstößen drohen Ordnungsstrafen und Hausverweise.
Der Nürnberger Hauptbahnhof wird von der Bahn und der Bundespolizei als einer von bundesweit zehn Bahnhöfen eingestuft, die „Kriminalitätsschwerpunkte“ sind und deren „Terrorgefahr potenziell hoch“ ist. Im Jahr 2022 belegte der Bahnhof im Ranking der gefährlichsten Bahnhöfe Deutschlands den dritten Platz, mit 548 registrierten Gewaltdelikten im selben Jahr. Als Reaktion auf diese Herausforderungen und Vorfälle, wie beispielsweise den Sprengsatzfund am Bonner Hauptbahnhof 2012, wurde die Videoüberwachung bereits 2013 ausgebaut. Die Stadt Nürnberg hat zudem bei der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes im Jahr 2017 die Verbesserung der Sicherheitslage als ein wichtiges Anliegen verfolgt, neben der Verbesserung der Situation für Fußgänger, Radfahrer und Rollstuhlfahrer durch neue Wege und barrierefreie Zugänge.
Häufig gestellte Fragen zum Nürnberger Hauptbahnhof
Wie alt ist das heutige Bahnhofsgebäude in Nürnberg?
Das heutige Empfangsgebäude des Nürnberger Hauptbahnhofs wurde zwischen 1900 und 1906 erbaut. Damit ist es über 100 Jahre alt, genauer gesagt wurde es im Jahr 1906 eröffnet und ist somit fast 120 Jahre alt (Stand 2024).
War der Nürnberger Hauptbahnhof schon immer ein Durchgangsbahnhof?
Nein, der allererste Bahnhof am heutigen Standort, der in den 1840er Jahren entstand, war zunächst ein Kopfbahnhof. Erst mit dem Neubau, der 1906 eröffnet wurde, entwickelte sich der Nürnberger Hauptbahnhof zu einem Durchgangsbahnhof, um dem wachsenden Verkehr und den neuen durchgehenden Verbindungen gerecht zu werden.
Gibt es barrierefreien Zugang im Nürnberger Hauptbahnhof?
Ja, der Nürnberger Hauptbahnhof legt großen Wert auf Barrierefreiheit. Das Gebäude und die Bahnsteige sind größtenteils barrierefrei zugänglich. Alle Ebenen sind über Rolltreppen und Aufzüge erreichbar, und es gibt spezielle Einrichtungen wie einen Lageplan für Sehbehinderte.
Welche besonderen architektonischen Merkmale hat der Bahnhof?
Neben der neubarocken Fassade aus Muschelkalk ist der erhaltene Jugendstilsaal ein herausragendes architektonisches Merkmal. Er zeugt von der Baukunst Anfang des 20. Jahrhunderts und ist einer der wenigen Bereiche des Originalgebäudes, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Auch die historische Litfaßsäule vor dem Hauptportal ist ein Blickfang.
Ist der Nürnberger Hauptbahnhof sicher?
Die Sicherheit ist ein wichtiges Thema am Nürnberger Hauptbahnhof. Es gibt eine starke Präsenz von Bundes- und Bayerischer Polizei sowie DB Sicherheit. Es wurden Maßnahmen wie die Ausweitung der Videoüberwachung und die Einführung von Alkoholverboten ergriffen. Allerdings wird der Bahnhof von den Behörden auch als Kriminalitätsschwerpunkt und Bereich mit potenziell hoher Terrorgefahr eingestuft, was die Herausforderungen im Bereich der Sicherheit unterstreicht.
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