Die Neue Altstadt in Frankfurt, oft auch als Dom-Römer-Areal bezeichnet, ist eines der bedeutendsten städtebaulichen Projekte der jüngeren deutschen Geschichte. Sie schließt eine Wunde im Herzen der Stadt, die durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und die nachfolgende Nachkriegsarchitektur entstanden war. Das Projekt zielte darauf ab, einen Teil des historischen Stadtbildes wiederherzustellen und gleichzeitig neues Leben in das Quartier zu bringen. Die Frage, wann dieses ambitionierte Vorhaben tatsächlich abgeschlossen wurde, ist zentral für das Verständnis seiner Entstehung und seines Impacts.

Die feierliche Eröffnung des neuen Altstadtviertels fand vom 28. bis 30. September 2018 im Rahmen eines großen Altstadtfestes statt. Zu diesem Zeitpunkt war das Areal für die Öffentlichkeit vollständig zugänglich gemacht worden, nachdem die Zugänglichkeit für den Krönungsweg und das Dom-Römer-Areal selbst bereits am 9. Mai 2018 erfolgt war. Dieses Altstadtfest, das über 250.000 Besucher anzog, markierte den offiziellen Abschluss und die Übergabe des Viertels an die Stadtgesellschaft und ihre Gäste.
Historischer Hintergrund und Planung
Das Gebiet zwischen Dom und Römerberg war einst das Herz der historischen Altstadt Frankfurts. Die schweren Zerstörungen im März 1944 hinterließen eine große Lücke, die nach dem Krieg nur teilweise und auf eine Weise wiederaufgebaut wurde, die von vielen als unzureichend und der historischen Bedeutung des Ortes nicht angemessen empfunden wurde. Insbesondere das Technische Rathaus, ein Betonbau aus den 1970er Jahren, wurde von vielen als Fremdkörper im Stadtbild wahrgenommen.
Die Diskussion über eine Neugestaltung des Areals dauerte Jahrzehnte an. Anfang des 21. Jahrhunderts nahmen die Pläne für eine Rekonstruktion und Neuinterpretation des historischen Grundrisses konkrete Formen an. Ziel war es, den historischen Charakter des Viertels wieder aufleben zu lassen, dabei aber auch moderne Anforderungen an Wohnen und Gewerbe zu erfüllen.
Abriss und Baubeginn
Der Weg zur Neuen Altstadt begann sichtbar mit dem Abriss des Technischen Rathauses. Dieser startete offiziell Anfang April 2010. Bis November 2010 wurde das Gebäude zunächst bis zum Erdgeschoss abgetragen, bevor die darunterliegende Tiefgarage für den Abriss vorbereitet wurde. Der restliche Teil des Gebäudes wurde von Mai 2011 bis Anfang 2012 entfernt. Diese Phase war ein entscheidender Schritt, um den Weg für die neue Bebauung freizumachen.
Am 23. Januar 2012 wurde symbolisch der Grundstein für die Bebauung des Dom-Römer-Areals gelegt. Mit diesem Akt begannen die Arbeiten an der Bodenplatte, die auf der Decke des bestehenden unterirdischen U-Bahnhofs und Parkhauses errichtet werden musste. Die Gebäude stehen somit auf einem komplexen Fundament.
Der Bauprozess: Herausforderungen und Fortschritte
Das Areal wurde aus logistischen Gründen von Süd nach Nord bebaut. Als südlichstes und eines der ersten Gebäude entstand das Stadthaus am Markt. Die Gründungsarbeiten hierfür begannen nach der Grundsteinlegung.
Eine besondere Herausforderung stellte der Archäologische Garten dar, der wichtige Bodendenkmäler, darunter Teile der karolingischen Königspfalz, beherbergt. Während der Gründungsarbeiten für das Stadthaus und die südliche Häuserzeile musste der Archäologische Garten geschützt werden. Er wurde eingepackt, mit Material aufgefüllt und mit einer Betonschicht bedeckt, bevor er im Frühjahr 2013 wieder freigelegt wurde.
Der Rohbau des Stadthauses begann im Mai 2013. Die ursprünglich für 2014 geplante Fertigstellung verzögerte sich jedoch bis Ende 2015. Das Stadthaus am Markt wurde schließlich im Juni 2016 eröffnet.
Der Bau der weiteren Gebäude schritt fort. Am 15. Oktober 2016 feierte die Stadt Frankfurt das Richtfest für das gesamte Areal und öffnete Teile der Baustelle für die Öffentlichkeit. Im Dezember 2017 wurden die äußerlich fertiggestellten Rekonstruktionen bei einem Pressetermin vorgestellt.
Kosten und Finanzierung
Die finanziellen Aspekte des Dom-Römer-Projekts waren Gegenstand intensiver Diskussionen. Die ursprüngliche Kostenschätzung lag bei 170 Millionen Euro. Im Dezember 2015 wurde bekannt, dass die Kosten auf 185,7 Millionen Euro geschätzt wurden. Im Dezember 2016 wurde die aktuelle Kalkulation mit 196 Millionen Euro angegeben.
Mehrkosten entstanden unter anderem durch projektfremde Ausgaben, wie die Sanierung der Tiefgarage. Gleichzeitig generierte das Projekt auch Einnahmen für die Stadt. Allein der Verkauf der 65 Wohnungen auf dem Areal brachte rund 90 Millionen Euro ein. Weitere erhebliche Werte flossen ins Anlagevermögen der Stadt, darunter das Stadthaus (geschätzt 25 Mio. €), die sanierte Tiefgarage (35 Mio. €), die Häuser Goldene Waage und Neues Rotes Haus (8 Mio. € bzw. 3 Mio. €). Die Ladengeschäfte und Restaurants stellen ebenfalls einen Wert dar und erzielen Mieteinnahmen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Mehrkosten während der Bauzeit wurden auf Planänderungen und Eingriffe in den Bauablauf zurückgeführt.
Die tatsächlichen Gesamtkosten sollten nach dem Einzug aller Mieter und der Beseitigung von Mängeln im Frühjahr 2020 feststehen. Die DomRömer GmbH rechnete zuletzt mit Gesamtkosten von „rund 200, maximal 210 Millionen Euro“.
Besondere Merkmale: Spolien und Gebäude
Ein interessantes Detail des Projekts ist die Verwendung von Spolien. Im gesamten Areal wurden 60 originale Teile der im Krieg zerstörten Bausubstanz wiederverwendet. Diese Spolien waren über Jahrzehnte eingelagert und fanden nun ihren Platz in der Neuen Altstadt, um eine Verbindung zur historischen Substanz herzustellen.
Besonders hervorzuheben sind das barocke Portal am Alten Kaufhaus, ein fünf Meter breites und dreieinhalb Meter hohes Element, das ursprünglich zu einem Gartenhaus gehörte und über Umwege im Garten des Liebieghauses landete. Weitere auffällige Spolien sind das Winzerdenkmal und der Apfelweintrinker.
Neben den Rekonstruktionen historischer Gebäude wie der Goldenen Waage und dem Neuen Roten Haus entstanden auch neue Gebäude auf historischem Grundriss, die sich in das Ensemble einfügen. Die Mischung aus detailgetreuen Rekonstruktionen und behutsamen Neubauten prägt das Erscheinungsbild des Viertels.
Kontroversen und Rezeption
Das Projekt der Neuen Altstadt war von Anfang an umstritten und löste eine breite öffentliche Debatte aus. Die Argumente spiegelten oft die Diskussionen wider, die bereits unmittelbar nach der Zerstörung über den Wiederaufbau geführt wurden.
Befürworter sahen in der Neuen Altstadt eine notwendige Stadtreparatur, die Wiederherstellung eines verloren gegangenen Herzstücks und einen Ausdruck bürgerschaftlichen Stolzes. Sie lobten die handwerkliche Qualität und die Detailtreue der Ausführung. Die Rückgewinnung der Braubachstraße als Teil des Quartiers wurde positiv hervorgehoben. Für manche war es die Rückbesinnung auf Frankfurts Geschichte als europäische Metropole.
Kritiker bemängelten hingegen, dass es sich um eine „Kulisse“ oder „Puppenstube“ handle, eine „Fake-Architektur“, die Geschichte nur oberflächlich reproduziere und heutige Bauvorschriften nicht ignorieren könne (z.B. durch sichtbare Dämmung). Die hohen Kosten wurden im Verhältnis zur geringen Anzahl neu geschaffener Wohnungen kritisiert, insbesondere im Kontext fehlenden sozialen Wohnungsbaus. Manche sahen in dem Projekt auch einen Ausdruck eines konservativen Zeitgeistes oder stellten Verbindungen zu Initiativen aus dem rechten politischen Spektrum her, was wiederum von anderen zurückgewiesen wurde, die auf die breite bürgerschaftliche Akzeptanz und die historischen Wurzeln der Wiederaufbaudebatte verwiesen.
Trotz der Debatten wurde die Neue Altstadt nach ihrer Eröffnung gut angenommen und entwickelte sich schnell zu einem Anziehungspunkt für Frankfurter und Touristen.
Ein neues Viertel für Frankfurt
Mit der Eröffnung ist nicht nur ein bauliches Projekt abgeschlossen worden, sondern ein neues Stück Stadt entstanden. Die Gassen, Plätze und Höfe laden zum Verweilen ein. Geschäfte, Restaurants und Cafés haben sich angesiedelt und beleben das Viertel. Die Mischung aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichem Raum soll sicherstellen, dass die Neue Altstadt mehr ist als nur eine Kulisse – ein lebendiges Quartier.
Die Fertigstellung im Jahr 2018 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Stadtgeschichte Frankfurts. Nach Jahrzehnten der Planung und des Baus steht das Altstadtfest 2018 symbolisch für die Rückgabe dieses historischen Ortes an die Öffentlichkeit, wenn auch in einer neuen, rekonstruierten und neu interpretierten Form.
Chronologie der Fertigstellung und Eröffnung
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| April 2010 | Offizieller Start Abriss Technisches Rathaus |
| Januar 2012 | Grundsteinlegung für die Bebauung des Dom-Römer-Areals |
| Juni 2016 | Eröffnung des Stadthauses am Markt |
| Oktober 2016 | Richtfest für das gesamte Areal |
| Dezember 2017 | Vorstellung der äußerlich fertiggestellten Rekonstruktionen (Presse) |
| 9. Mai 2018 | Öffentliche Zugänglichkeit von Krönungsweg und Dom-Römer-Areal |
| 28.-30. September 2018 | Feierliche Eröffnung mit Altstadtfest |
| Frühjahr 2020 (geplant) | Vorliegen der tatsächlichen Gesamtkosten nach Abschluss aller Arbeiten |
Häufig gestellte Fragen zur Neuen Altstadt
Wann genau wurde die Neue Altstadt in Frankfurt eröffnet?
Die feierliche Eröffnung für die Öffentlichkeit fand vom 28. bis 30. September 2018 mit einem großen Altstadtfest statt.
Was stand vor dem Bau der Neuen Altstadt auf dem Areal?
Hauptsächlich stand dort das Technische Rathaus, ein Betonbau aus den 1970er Jahren, sowie eine Tiefgarage und der Archäologische Garten.
Was hat der Bau gekostet?
Die Kostenentwicklung war komplex. Die letzte Schätzung der DomRömer GmbH ging von Gesamtkosten zwischen 200 und maximal 210 Millionen Euro aus.
Warum wurde das Areal wiederaufgebaut?
Das Ziel war, die Lücke im historischen Stadtbild zu schließen, die durch die Kriegszerstörung und die Nachkriegsbebauung entstanden war, und das historische Herz Frankfurts in einer neuen Form wiederzubeleben.
Gibt es im neuen Viertel historische Originalteile?
Ja, im gesamten Projekt wurden 60 sogenannte Spolien verbaut. Das sind originale Bauteile aus der im Krieg zerstörten Altstadt, die wiederverwendet wurden.
Welche Art von Gebäuden gibt es in der Neuen Altstadt?
Es gibt eine Mischung aus detailgetreuen Rekonstruktionen historischer Häuser und Neubauten, die sich in das historische Erscheinungsbild einfügen. Es gibt Wohnungen, Ladengeschäfte, Restaurants und öffentliche Gebäude wie das Stadthaus.
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