Ist Berlin Ostbahnhof dasselbe wie Berlin Hauptbahnhof?

Berliner Ostbahnhof: Die Namen seiner Geschichte

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Der Berliner Ostbahnhof ist heute ein zentraler Knotenpunkt im Bahnverkehr der deutschen Hauptstadt. Täglich strömen tausende Reisende durch seine Hallen, auf dem Weg zu nationalen und internationalen Zielen oder innerhalb des regionalen Nahverkehrs. Doch wie so viele historische Orte in Berlin, blickt auch der Ostbahnhof auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Diese Geschichte ist eng verbunden mit verschiedenen Namen, die der Bahnhof im Laufe der Zeit trug. Für viele, die sich mit der Berliner Eisenbahngeschichte beschäftigen, stellt sich oft die Frage: Wie hieß der Berliner Ostbahnhof eigentlich früher?

Die Antwort auf diese Frage führt uns zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts, eine Zeit des rasanten Ausbaus des Eisenbahnnetzes in Preußen. Der Bahnhof, den wir heute als Ostbahnhof kennen, wurde ursprünglich als Endpunkt einer wichtigen Eisenbahnlinie konzipiert und gebaut. Sein erster und wohl bekanntester früherer Name war der Küstriner Bahnhof. Dieser Name leitete sich direkt von der Bahnstrecke ab, die hier begann oder endete: der Königlichen Ostbahn. Die Königliche Ostbahn verband Berlin mit den östlichen Provinzen Preußens und war von strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Der Bahnhof diente als repräsentativer westlicher Endpunkt dieser wichtigen Verbindung.

Wann ist der Berliner Ostbahnhof fertig?
Die rund 100 Jahre alten Gleishallen des Berliner Ostbahnhofs werden seit 2010 bei laufendem Betrieb von Grund auf modernisiert. Die Hauptarbeiten des aktuellen Bauabschnitts werden im Sommer 2025 abgeschlossen sein. Bis 2026 folgen dann noch kleinere Restarbeiten.

Die Anfänge: Lage und Bedeutung des Küstriner Bahnhofs

Der Küstriner Bahnhof, später bekannt unter anderen Namen, befand sich in einer damals noch anders strukturierten Gegend Berlins. Seine historische Lage östlich des einstigen Cüstriner Platzes, der heute als Franz-Mehring-Platz bekannt ist, situiert ihn im heutigen Ortsteil Friedrichshain. Diese Position war strategisch für den Anschluss an die östlich gelegenen Gebiete Preußens gewählt. Die Gleisanlagen, die dem Personenverkehr dienten, erstreckten sich nördlich der damaligen Straße namens Am Ostbahnhof. Interessanterweise lag diese Straße ungefähr in der Verlängerung der heutigen Straße Am Wriezener Bahnhof. Dies gibt uns eine Vorstellung davon, wie sich die städtische Infrastruktur und die Benennung von Orten im Laufe der Zeit verändert haben.

Parallel zum Personenbahnhof, aber weiter südlich gelegen, gab es auch einen Güterbahnhof. Dieser befand sich an der Fruchtstraße, die heute als Straße der Pariser Kommune bekannt ist. Der Güterbahnhof schloss sich direkt nördlich an die Anlagen des Schlesischen Bahnhofs an. Es gab jedoch, zumindest zum Zeitpunkt der ursprünglichen Anlage, keine direkte Gleisverbindung zwischen dem Güterbahnhof des Küstriner Bahnhofs und den Anlagen des Schlesischen Bahnhofs. Diese Trennung der Verkehrsarten und die spezifische Anordnung der Gleisanlagen und Bahnhofsbereiche waren typisch für die Eisenbahnplanung jener Zeit und spiegelten die unterschiedlichen logistischen Anforderungen von Personen- und Güterverkehr wider.

Architektonische Pracht: Ein Bahnhof setzt Maßstäbe

Die Architektur des ursprünglichen Küstriner Bahnhofs war für seine Zeit bemerkenswert und setzte neue Maßstäbe im Bahnhofsbau. Die Pläne stammten zunächst von Adolf Lohse, einem bekannten Schüler des berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel. Nach Lohses Tod wurde das Projekt von Hermann Cuno weitergeführt und vollendet. Das Ergebnis war ein Bauwerk, das sich, wie zeitgenössische Berichte hervorheben, „durch einen bis dahin bei solchen Bauwerken nicht üblichen Reichthum in der architektonischen Ausstattung aus[zeichnete]“. Dies deutet darauf hin, dass der Bahnhof nicht nur funktional, sondern auch als repräsentatives Eingangstor zur Stadt und zur Königlichen Ostbahn gedacht war.

Das Bahnhofsgebäude selbst bestand aus einem dreigeschossigen Kopfgebäude, das den zentralen und markantesten Teil bildete. An dieses Kopfgebäude schlossen sich zwei Seitenflügel an, die überwiegend einstöckig waren und sich entlang der großen Bahnsteighalle erstreckten. Die funktionale Aufteilung innerhalb des Gebäudes war klar strukturiert, um den Ablauf für die Reisenden zu optimieren. Im nördlichen Seitenflügel waren die Einrichtungen für ankommende Fahrgäste untergebracht. Hier fanden die Reisenden alles Nötige nach ihrer Ankunft. Der südliche Seitenflügel hingegen war für die abfahrenden Passagiere vorgesehen. Diese Trennung sollte vermutlich die Abläufe beschleunigen und die Orientierung erleichtern.

Im Mittelteil des Südflügels befand sich der Hauptflur, ein zentraler Bereich, von dem aus die wichtigsten Dienstleistungen zugänglich waren. Hier stach insbesondere die Fahrkartenausgabe hervor, der wohl wichtigste Anlaufpunkt für alle, die eine Reise antreten wollten. An die Fahrkartenausgabe schloss sich eine Vorhalle an, die von Säulen getragen wurde und den Reisenden Schutz und einen würdigen Empfang bot. Am Hauptflur waren zudem die Gepäckabfertigung und die Warteräume untergebracht. Die Warteräume waren je nach Reiseklasse und Bedürfnissen der Passagiere unterschiedlich ausgestattet und boten Gelegenheit zur Entspannung vor der Abfahrt.

Ein besonderes Merkmal des Kopfbaus waren die sogenannten Königszimmer. Diese speziellen Räumlichkeiten waren dem preußischen König und seinem Gefolge vorbehalten und unterstrichen die Bedeutung der Bahnlinie und des Bahnhofs für das Herrscherhaus. Die oberen Geschosse des Kopfbaus beherbergten weitere wichtige Bereiche, darunter Beratungs- und Geschäftsräume sowie Wohnungen für die Beamten des Bahnhofs. Diese Mischung aus repräsentativen, geschäftlichen und privaten Räumen machte das Kopfgebäude zu einem multifunktionalen Zentrum.

Ein weiteres beeindruckendes Element des Bahnhofs war die Bahnsteighalle. Sie maß stattliche 188,3 Meter in der Länge und 37,7 Meter in der Breite. Solche Dimensionen waren für die damalige Zeit technisch anspruchsvoll und zeugten vom Fortschritt im Ingenieurwesen. Mit der technischen Ausführung des Baus wurde die Maschinenfabrik Bayenthal beauftragt, was auf die Komplexität der Konstruktion, insbesondere der Dachkonstruktion der Halle, hinweist.

Von der Bahn zum Varieté: Die weitere Geschichte des Gebäudes

Die Geschichte des ursprünglichen Bahnhofsgebäudes endete nicht mit seiner Funktion als Eisenbahnknotenpunkt. Nach der Schließung und dem Umbau des Bahnhofs im Rahmen von Umstrukturierungen des Berliner Eisenbahnnetzes wurde das prächtige Bauwerk einer neuen Nutzung zugeführt. Ein in der Fachliteratur erwähnter Umbau im Jahr 1929 beschreibt die Umwandlung des ehemaligen Bahnhofsgebäudes in ein Theater. Dieses Theater trug den Namen Plaza, ein bekanntes Volksvarieté in Berlin. Dieser Wandel von einem funktionalen Verkehrsbau zu einem Ort der Unterhaltung zeigt die Anpassungsfähigkeit historischer Architektur und die sich wandelnden Bedürfnisse der Stadt. Das ehemalige Bahnhofsgebäude lebte so in einer neuen Form weiter und wurde zu einem kulturellen Anziehungspunkt.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum alten Ostbahnhof

Die Geschichte des Berliner Ostbahnhofs und seiner früheren Namen wirft bei vielen Interessierten Fragen auf. Hier beantworten wir einige der häufigsten:

Wie hieß der Berliner Ostbahnhof ursprünglich?

Der ursprüngliche Name des Berliner Ostbahnhofs war Küstriner Bahnhof. Er wurde auch oft im Kontext der Königlichen Ostbahn genannt, als deren westlicher Endpunkt er diente.

Warum hieß er Küstriner Bahnhof?

Der Name leitete sich von der Eisenbahnlinie ab, die dort begann/endete: der Königlichen Ostbahn, die Berlin mit der Stadt Küstrin (heute Kostrzyn nad Odrą in Polen) und weiter östlich gelegenen Gebieten verband.

Wo genau befand sich der alte Küstriner Bahnhof?

Er lag im heutigen Ortsteil Friedrichshain, östlich des heutigen Franz-Mehring-Platzes (damals Cüstriner Platz). Die Personenanlagen lagen nördlich der Straße Am Ostbahnhof (ungefähr Verlängerung der heutigen Straße Am Wriezener Bahnhof), der Güterbahnhof südlich an der Fruchtstraße (heute Straße der Pariser Kommune).

Wer waren die Architekten des ursprünglichen Bahnhofs?

Die ersten Pläne stammten von Adolf Lohse. Nach seinem Tod wurde die Arbeit von Hermann Cuno vollendet.

Was geschah mit dem ursprünglichen Bahnhofsgebäude?

Nachdem es seine Funktion als Bahnhof verloren hatte, wurde das Gebäude unter anderem zu einem Theater umgebaut. Es wurde 1929 als Volksvarieté Plaza eröffnet.

Gibt es heute noch Teile des alten Bahnhofsgebäudes?

Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude existiert in seiner ursprünglichen Form nicht mehr als Bahnhof. Das Gebäude, das zum Plaza Varieté umgebaut wurde, wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und später abgerissen. Der heutige Ostbahnhof ist ein Neubau an leicht veränderter Position, der erst später diesen Namen erhielt.

Zusammenfassung der Namen und Epochen

Die Geschichte des Ortes, an dem heute der Berliner Ostbahnhof steht, ist eine Geschichte der Transformation und der Namen. Begonnen als Küstriner Bahnhof, ein prächtiges Tor zur Königlichen Ostbahn, erlebte das ursprüngliche Gebäude die Blütezeit des Eisenbahnverkehrs, wurde Zeuge städtebaulicher Veränderungen und fand schließlich eine Nachnutzung als kultureller Ort, das Varieté Plaza. Diese verschiedenen Namen spiegeln nicht nur funktionale Bezeichnungen wider, sondern auch die Epochen und Nutzungen, die dieser wichtige Punkt in Berlin durchlaufen hat. Der heutige Ostbahnhof ist ein moderner Nachfolger, der die Tradition als bedeutender Verkehrsknotenpunkt fortführt, aber auf den Fundamenten einer reichen und architektonisch beeindruckenden Vergangenheit steht, die einst unter dem Namen Küstriner Bahnhof begann.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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