Die Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt ist weit mehr als nur eine Straße; sie ist ein Phänomen, ein Synonym für Düsseldorfer Lebensart und das pulsierende Herz der berühmten „Längsten Theke der Welt“. Auf einer Länge von rund 300 Metern reihen sich hier über 50 gastronomische Betriebe aneinander – Restaurants, Kneipen und Bars, die das ganze Jahr über ihre Terrassen beleben und die Straße in eine einzige, lebendige Festmeile verwandeln. Diese zur Fußgängerzone umgestaltete Ader verbindet wichtige Punkte der Stadt: vom historischen Rathaus führt sie direkt zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee, einem zentralen Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs, und in ihrer Verlängerung zu den bekannten Einkaufsstraßen wie der Königsallee und der Schadowstraße.

Doch die Bolkerstraße war nicht immer das, was sie heute ist. Ihre Geschichte ist eine faszinierende Erzählung von Wandel, Zerstörung und Wiederaufbau, von Handel und Handwerk, das der aufstrebenden Gastronomie weichen musste.
Ein Blick in die Geschichte: Vom Handelszentrum zur Gastromeile
Bevor die Bolkerstraße zum Hotspot des Düsseldorfer Nachtlebens wurde, war sie eine der wichtigsten Einkaufsstraßen und Geschäftsbereiche der Stadt. Historische Aufzeichnungen aus dem Jahr 1874 belegen, dass hier eine beeindruckende Vielfalt an Gewerben angesiedelt war: 40 Kaufleute und fast 200 Handwerker prägten das Bild der Straße. Das erste große Warenhaus Düsseldorfs wurde hier 1896 von der jüdischen Kaufmannsfamilie Hartoch an der Stelle der heutigen Häuser Nr. 19 und 21 errichtet. Dieses Warenhaus wurde 1905 erweitert und sogar zu einem der ersten mit einer Einkaufspassage in Düsseldorf umgebaut, die eine Verbindung zur Flinger Straße schuf.
Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs trafen auch die Bolkerstraße schwer. Neben dem Warenhaus wurden zahlreiche weitere Gebäude beschädigt oder zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte weitgehend, und zunächst kehrten auch Einzelhandelsgeschäfte zurück. Doch ab den 1960er Jahren begann ein signifikanter Wandel. Zunehmend siedelten sich gastronomische Betriebe an. Diese konnten aufgrund ihrer höheren Ertragskraft höhere Mieten zahlen, was das Mietniveau in der Straße insgesamt steigerte. Dieser wirtschaftliche Druck führte dazu, dass der Einzelhandel nach und nach verdrängt wurde. Was einst eine lebendige Mischung aus Geschäften und Handwerk war, entwickelte sich zur heute bekannten Konzentration von Restaurants, Kneipen und Bars.
Ursprünge und Entwicklung der Straße
Die Geschichte der Bolkerstraße reicht weit zurück. Sie wurde bereits im Rahmen der ersten Stadterweiterung im Jahr 1384 angelegt und fand 1417 ihre erste namentliche Erwähnung. Eine Urkunde aus dem Jahr 1435 führt den Namen Bolchgerstraße an. Die genaue Herkunft des Namens ist bis heute nicht eindeutig geklärt und Gegenstand von Diskussionen. Mögliche Namensgeber könnten eine Düsseldorfer Familie namens Bolke, eine Familie Bolliger oder auch das Wort Bollwerk sein. Die vorhandenen historischen Nachweise sind in dieser Frage widersprüchlich.
Ursprünglich begann die Bolkerstraße am Marktplatz und endete bis ins frühe 20. Jahrhundert an der Hunsrückenstraße. Erst zwischen 1931 und 1935 wurde die Straße signifikant verlängert. Die auf der Ostseite im Kreuzungsbereich der Hunsrückenstraße stehenden Häuser wurden abgerissen, um die Bolkerstraße bis zum damaligen Hindenburgwall, der heutigen Heinrich-Heine-Allee, zu öffnen. Die kleine Kommunikationsstraße, die zuvor das aktuelle östliche Ende bildete, verschwand durch diesen Durchbruch.
Berühmte Adressen und Historische Gasthöfe
Trotz der Zerstörungen des Krieges und des stetigen Wandels birgt die Bolkerstraße noch immer viel Geschichte in ihren Gemäuern. Von den ehemals über 60 historischen Gebäuden sind für viele die Bezeichnungen und Namen der Eigentümer über die Jahrhunderte überliefert. Einige Häuser haben bis heute eine besondere Bedeutung und sind weit über Düsseldorf hinaus bekannt.
Das Heinrich Heine Haus (Bolkerstraße Nr. 53)
Eine der berühmtesten Adressen der Bolkerstraße ist zweifellos die Hausnummer 53. Im Hinterhaus dieses Gebäudes, das heute als Heine Haus bekannt ist, wurde am 13. Dezember 1797 Heinrich Heine geboren, einer der bedeutendsten Dichter und Schriftsteller Deutschlands und der wohl berühmteste Sohn der Stadt Düsseldorf. Das Vorderhaus beherbergt heute eine Buchhandlung. Zum Gedenken an den Dichter steht dort eine Büste Heines, deren Sockel aus originalen Steinen seines abgebrochenen Geburtshauses gefertigt wurde. Interessanterweise gab es bereits 1913 eine erste Düsseldorfer Gedenkstätte für Heine, die Ferdinand Schumacher in seinem Kesselstübchen, ebenfalls an der Bolkerstraße, einrichtete.
Brauerei Zum Schlüssel (Bolkerstraße Nr. 43, 45, 47)
Eine der bekanntesten und traditionsreichsten Adressen an der Bolkerstraße ist die Brauerei Zum Schlüssel. Das heutige Gebäude entstand durch die Zusammenlegung der drei ehemaligen Einzelhäuser mit den Nummern 43, 45 und 47. Der „Schlüssel“ ist eine bekannte bürgerliche Gaststätte und eine Gasthofbrauerei, berühmt für ihr Altbier, das Gatzweiler Alt. Die Geschichte dieser Brauerei ist eng mit der Entwicklung der Bolkerstraße verbunden.
Haus Nr. 43, einst „Im schwarzen Pferd“ genannt, hatte bereits im 17. Jahrhundert bekannte Eigentümer, darunter ein Weinhändler im Jahr 1772, der auch eine Gastwirtschaft betrieb. Später war hier eine Eisenwarenhandlung angesiedelt, bevor das Haus im 20. Jahrhundert von den Besitzern des „Zum Schlüssel“ erworben wurde.
Die Geschichte der Gasthofbrauerei selbst begann im Haus Nr. 45, das die Namen „Zu den drei Königen“ oder „Zu den drei Königinnen“ trug. Ab 1632 sind hier diverse Eigentümer namentlich bekannt. Ein erster Hinweis auf eine Gastwirtschaft unter einem Wirt namens Neunzig stammt aus dem Jahr 1804. Im Jahr 1850 erwarb Jakob Schwenger die Häuser Nr. 45 und 47. Er betrieb nicht nur eine Bäckerei, sondern auch eine Gasthofbrauerei und gilt somit als der Begründer der noch heute existierenden Gaststätte mit Brauerei. Sein Nachfolger, der Brauer Josef Aders, benannte die Brauerei schließlich in „Brauerei zum Schlüssel“ um. Nach weiteren Besitzerwechseln erwarb Karl Gatzweiler im Jahr 1936 die beiden Häuser mit der Gasthofbrauerei. Er war der erste Eigentümer aus der Familie Gatzweiler, die den „Schlüssel“ bis heute betreibt.
Auch Haus Nr. 47, einst „Zum roten Ochsen“ genannt (wahrscheinlich benannt nach dem Hofschlachter Peter Steinäcker im 17. Jahrhundert), spielte eine Rolle in der Geschichte des „Schlüssels“. Dieses Haus wurde ebenfalls von Jakob Schwenger erworben und in seine Brauerei integriert.
Gasthof Zum goldenen Kessel (Bolkerstraße Nr. 44 und 46)
Ein weiterer historisch bedeutender Gasthof an der Bolkerstraße ist der „Zum goldenen Kessel“. Das heutige Gebäude vereint die ehemaligen Häuser Nr. 44 und 46. Ursprünglich waren diese Häuser bis Mitte des 20. Jahrhunderts getrennt, und der Name „Zum goldenen Kessel“ bezog sich zunächst nur auf Haus Nr. 44. Die Geschichte dieses Hauses reicht ebenfalls weit zurück, mit verschiedenen Eigentümern und Nutzungen, darunter eine Lehrschule im Jahr 1774. Ab dem frühen 19. Jahrhundert folgten Schlosser und später Gastronomen, die ein Lokal betrieben.
Das Lokal im Haus Nr. 44 entwickelte sich von einer reinen Gastwirtschaft zu einer Gasthofbrauerei. Im Jahr 1902 kaufte Ferdinand Schumacher II., Spross der bekannten Brauerfamilie Schumacher, die Gasthofbrauerei von seinem Onkel Carl Mentzen. Schumacher erwarb auch das Nachbarhaus Nr. 46, baute beide Gebäude um und modernisierte den Braubetrieb. Im Haus Nr. 46 eröffnete er das „Kesselstübchen“. Nach der Fertigstellung einer neuen Brauerei auf der Oststraße im Jahr 1925 wurde die Gasthofbrauerei in der Bolkerstraße in einen reinen Brauereiausschank umgewandelt.
Haus Nr. 46 beherbergte im späten 18. Jahrhundert unter anderem die Apotheke „Zum Elephant“, die bis Ende des 19. Jahrhunderts an dieser Stelle bestand, bevor sie in die damalige Kommunikationsstraße (heute Bolkerstraße 56) verlegt wurde.
Wie viele Gebäude in der Altstadt wurden auch die Häuser Nr. 44 und 46 bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg am 10. September 1942 zerstört. Nach einer provisorischen Wiederherstellung wurde der Gasthof „Zum goldenen Kessel“ 1948 wiedereröffnet. Der gemeinsame Neubau der beiden Gebäude erfolgte schließlich im Jahr 1958. Die Geschichte des „Goldenen Kessels“ nach dem Krieg ist eng mit der Brauerei Schumacher verbunden.
Die Neanderkirche
Fast genau gegenüber vom Heine Haus, an der Bolkerstraße, befindet sich ein weiteres historisches Kleinod: die Neanderkirche. Sie ist Düsseldorfs erste reformierte Kirche und wurde bereits 1684 eingeweiht. Benannt ist sie nach dem bekannten Liederdichter Joachim Neander. Interessanterweise musste die Kirche gemäß den damals geltenden Gesetzen für protestantische Gotteshäuser in einem Hinterhof errichtet werden. Ein Glücksfall in der Geschichte: Die Neanderkirche überstand die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs fast unversehrt, während die Vorderhäuser, die sie einst von der Straße abschirmten, weitgehend zerbombt, abgerissen und nicht wieder aufgebaut wurden. Dadurch ist die zurückgesetzte Kirche heute von der Bolkerstraße aus frei einsehbar.
Der Kirchhof der Neanderkirche wird freitags und samstags auf besondere Weise genutzt: Die gegenüberliegende Hausbrauerei „Zum Schlüssel“ betreibt hier einen Biergarten, eine einzigartige Kombination aus sakraler Stätte und weltlicher Geselligkeit, die den besonderen Charakter der Bolkerstraße unterstreicht.
Ein Vergleich: Bolkerstraße einst und jetzt
| Merkmal | Bolkerstraße um 1874 | Bolkerstraße heute |
|---|---|---|
| Dominierendes Gewerbe | Einzelhandel, Handwerk (40 Kaufleute, ~200 Handwerker) | Gastronomie (>50 Restaurants, Kneipen, Bars) |
| Charakter | Wichtige Einkaufs- und Geschäftsstraße | Das Herz der „Längsten Theke der Welt“, Ausgehmeile |
| Prominente Gebäude/Einrichtungen | Warenhaus Hartoch, diverse Geschäfte, Handwerksbetriebe, Apotheke | Brauerei Zum Schlüssel, Gasthof Zum goldenen Kessel, Heine Haus, Neanderkirche |
| Nutzung der Straße | Verkehrsstraße mit Geschäften | Fußgängerzone mit Straßenterrassen |
Häufig gestellte Fragen zur Bolkerstraße
Was bedeutet „Längste Theke der Welt“?
Der Begriff „Längste Theke der Welt“ beschreibt nicht eine einzige, durchgehende Bar. Er bezieht sich auf die hohe Dichte an Kneipen, Bars und Restaurants in der Düsseldorfer Altstadt, insbesondere entlang der Bolkerstraße und den angrenzenden Gassen. Die Eingänge und Theken dieser über 250 Lokale (in der gesamten Altstadt) liegen so dicht beieinander, dass man bildlich gesprochen von einer einzigen, sehr langen Theke sprechen kann.
Warum wurde die Bolkerstraße zur Gastronomiestraße?
Dieser Wandel begann hauptsächlich in den 1960er Jahren. Gastronomiebetriebe konnten höhere Mieten zahlen als der traditionelle Einzelhandel und das Handwerk. Dies führte dazu, dass immer mehr gastronomische Betriebe einzogen und die Einzelhändler nach und nach verdrängten.
Kann man das Geburtshaus von Heinrich Heine besichtigen?
Das eigentliche Geburtshaus im Hinterhaus wurde abgerissen. Heute steht an der Stelle des Vorderhauses (Bolkerstraße Nr. 53) das sogenannte Heine Haus, das eine Buchhandlung beherbergt. Im Gedenken an den Dichter gibt es dort eine Büste mit einem Sockel aus Steinen des originalen Geburtshauses. Es dient als Gedenkstätte, aber nicht als begehbares Museum im Sinne des originalen Gebäudes.
Welche bekannten Brauereien gibt es an der Bolkerstraße?
Die bekanntesten traditionsreichen Gasthofbrauereien direkt an der Bolkerstraße sind die Brauerei Zum Schlüssel und der Gasthof Zum goldenen Kessel (der historisch mit der Brauerei Schumacher verbunden ist). Beide sind berühmt für ihr Düsseldorfer Altbier und tragen maßgeblich zum Charakter der Straße bei.
Ist die Bolkerstraße immer belebt?
Ja, die Bolkerstraße ist für ihre lebendige Atmosphäre bekannt und besonders an Abenden und Wochenenden stark frequentiert. Viele Betriebe haben bis spät in die Nacht geöffnet, und die Terrassen sind bei gutem Wetter das ganze Jahr über gut besucht.
Fazit
Die Bolkerstraße verkörpert wie kaum eine andere Straße in Düsseldorf den Geist der Altstadt. Ihre Entwicklung vom belebten Handelszentrum zur legendären Ausgehmeile spiegelt die Wandlungsfähigkeit der Stadt wider. Mit ihrer einzigartigen Dichte an gastronomischen Angeboten, ihrer reichen Geschichte, den Spuren bedeutender Persönlichkeiten wie Heinrich Heine und den historischen Brauereien bietet sie ein unvergleichliches Erlebnis. Sie ist nicht nur das Herz der „Längsten Theke der Welt“, sondern auch ein lebendiges Museum der Düsseldorfer Geschichte und Kultur, das Besucher aus aller Welt anzieht und Einheimische immer wieder begeistert.
Hat dich der Artikel Bolkerstraße: Herz der Altstadt & Längste Theke interessiert? Schau auch in die Kategorie Gastronomie rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
