Pfaffenhofen an der Ilm, eine charmante Kreisstadt im Herzen Bayerns, zieht nicht nur durch ihre zentrale Lage zwischen Metropolen wie München und Nürnberg die Aufmerksamkeit auf sich, sondern auch durch ihre dynamische Entwicklung und ihre hohe Lebensqualität. Die Stadt, die einst als die "lebenswerteste Stadt der Welt" ausgezeichnet wurde, ist ein Ort der Vielfalt, an dem Tradition und Moderne aufeinander treffen und der Menschen aus aller Welt anzieht. Doch wie gestaltet sich das Leben in Pfaffenhofen abseits der malerischen Altstadt und der grünen Landschaften der Hallertau? Ein Blick hinter die Kulissen offenbart eine facettenreiche Gemeinschaft und eine Stadtverwaltung, die sich vielfältigen Herausforderungen stellt.

Vielfalt und Zuwanderung in Pfaffenhofen
Die Bevölkerung von Pfaffenhofen a. d. Ilm ist geprägt von einer bemerkenswerten Vielfalt. Zum Stichtag 31. Dezember 2024 lebten insgesamt 18.542 ausländische Personen im Landkreis Pfaffenhofen. Diese Zahl unterstreicht die internationale Präsenz in der Region und zeigt, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen hier eine neue Heimat gefunden haben. Die Ausländerquote im Landkreis ist im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben und liegt bei rund 14 Prozent.
Diese ausländischen Einwohner stammen aus beeindruckenden 135 verschiedenen Nationen, was die globale Verbundenheit Pfaffenhofens eindrucksvoll belegt. Die größten Gruppen bilden dabei Staatsangehörige aus Rumänien, der Ukraine und der Türkei, gefolgt von Polen, Bulgaren, Kroaten und weiteren Nationen. Hier eine Übersicht der Top 10 Herkunftsländer Ende 2024:
| Rang | Nationalität | Anzahl Personen | Anteil an ausl. Bev. |
|---|---|---|---|
| 1 | Rumänien | 2.201 | 11,87 % |
| 2 | Ukraine | 1.705 | 9,20 % |
| 3 | Türkei | 1.641 | 8,85 % |
| 4 | Polen | 1.584 | 8,54 % |
| 5 | Bulgarien | 1.299 | 7,01 % |
| 6 | Kroatien | 1.020 | 5,50 % |
| 7 | Kosovo | 996 | 5,37 % |
| 8 | Ungarn | 836 | 4,51 % |
| 9 | Afghanistan | 680 | 3,67 % |
| 10 | Italien | 661 | 3,56 % |
Die Verwaltung dieser Vielfalt erfordert erhebliche Anstrengungen. Im Jahr 2024 wurden beispielsweise 2.008 elektronische Aufenthaltstitel erteilt und 276 Passersatzdokumente ausgestellt, was den Umfang der täglichen Arbeit der Ausländerbehörde zeigt.
Einbürgerung: Ein wichtiger Schritt zur Integration
Ein zentraler Aspekt der Integration ist die Einbürgerung. Im Jahr 2024 konnten in Pfaffenhofen 505 Personen eingebürgert werden, eine deutliche Steigerung gegenüber den 310 Einbürgerungen im Vorjahr. Dieser Anstieg ist teilweise auf die hohe Anzahl von Anträgen zurückzuführen, die ebenfalls signifikant gestiegen ist (ein Plus von 292 Anträgen oder rund 68 %).
Die meisten Eingebürgerten im Jahr 2024 waren kosovarische Staatsangehörige, gefolgt von ehemaligen türkischen Staatsangehörigen, Rumänen, Syrern, Afghanen und Ukrainern. Diese Zahlen spiegeln die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung wider und zeigen, welche Nationalitäten den Schritt zur deutschen Staatsbürgerschaft besonders häufig wagen.
Ein wichtiger Treiber für die steigenden Antrags- und Einbürgerungszahlen ist das am 27. Juni 2024 in Kraft getretene Gesetz zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsgesetzes. Dieses Gesetz hat die für eine Einbürgerung erforderliche Aufenthaltszeit von acht auf fünf Jahre verkürzt. Zudem wird seitdem die generelle Mehrstaatigkeit akzeptiert, was bedeutet, dass eine Entlassung aus der bisherigen Staatsangehörigkeit bei der Einbürgerung nicht mehr erforderlich ist. Diese Änderungen haben, so Martin Graf, Leiter des Ausländeramts Pfaffenhofen, zu einem deutlichen Anstieg der Nachfragen und des Beratungsaufwands im Jahr 2024 geführt.
Arbeitsmarktintegration und aufenthaltsbeendende Maßnahmen
Die Integration in den Arbeitsmarkt ist für viele Zugewanderte ein entscheidender Schritt. Nach dem neu eingeführten Fachkräfteeinwanderungsgesetz wurden 58 Beratungsgespräche mit potenziellen Arbeitgebern geführt, um die Anwerbung internationaler Fachkräfte zu erleichtern. In 23 Fällen konnten erfolgreich Vereinbarungen zur beschleunigten Einreise abgeschlossen werden, was die Bemühungen zur Deckung des Fachkräftebedarfs in der Region zeigt.
Leider sind auch aufenthaltsbeendende Maßnahmen Teil der Arbeit der Ausländerbehörde. Im Jahr 2024 mussten in 84 Fällen solche Maßnahmen geprüft werden. Aufgrund schwerer Straftaten wurden in sieben Fällen Ausweisungsverfügungen erlassen. Die Rückführung in die Heimatländer gestaltet sich jedoch oft schwierig, unter anderem wegen mangelnder Mitwirkung der Betroffenen oder deren Herkunftsstaaten. Dennoch wurden im Jahr 2024 in Zusammenarbeit mit der Zentralen Ausländerbehörde 37 Personen abgeschoben (im Vorjahr 30). Zusätzlich haben 228 Personen das Bundesgebiet freiwillig und dauerhaft verlassen, eine deutliche Zunahme im Vergleich zu den 128 freiwilligen Ausreisen im Vorjahr.
Herausforderungen der Unterbringung von Flüchtlingen
Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine hat der Landkreis Pfaffenhofen eine große humanitäre Aufgabe übernommen und rund 3.100 geflüchtete Personen aus der Ukraine aufgenommen. Obwohl einige dieser Personen inzwischen in andere Teile Deutschlands weitergezogen oder in die Ukraine zurückgekehrt sind, hielten sich zum Jahresende 2024 noch rund 1.650 ukrainische Kriegsflüchtlinge im Landkreis auf.
Die Unterbringung dieser Menschen stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Erfreulicherweise konnten rund 800 Kriegsflüchtlinge in privaten Unterkünften aufgenommen werden, was ein großes Engagement der Bevölkerung zeigt. Der Rest wurde in dezentralen Unterkünften des Landratsamts untergebracht. Zum Jahresende 2024 gab es im Landkreis 109 solcher dezentralen Unterkünfte, in denen rund 1.550 Personen lebten. Diese Zahl umfasst neben ukrainischen Geflüchteten mit humanitärem Aufenthaltstitel auch Personen im laufenden oder negativ bzw. positiv abgeschlossenem Asylverfahren, sogenannte Fehlbeleger. Diese Personen stammen hauptsächlich aus Afghanistan, der Türkei, Syrien und Nigeria.
Trotz der Herausforderungen bei der Unterbringung konnte der Landkreis Pfaffenhofen auf die Belegung von Turnhallen verzichten, was in vielen anderen Kreisverwaltungsbehörden Bayerns nicht gelungen ist. Dies ist der intensiven Akquise von Wohnraum, der Errichtung von Wohncontainerunterkünften und der großen Mithilfe aus der Bevölkerung zu verdanken. Dennoch ist das Ausländeramt weiterhin aktiv auf der Suche nach geeignetem Wohnraum.
Pfaffenhofen: Die lebenswerteste Stadt mit vielen Facetten
Die positive Entwicklung und die Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern, tragen zum Ruf Pfaffenhofens als besonders lebenswerte Stadt bei. Im Jahr 2011 wurde Pfaffenhofen als einzige deutsche Stadt im Finale der "International Awards for Liveable Communities" der Vereinten Nationen ausgezeichnet und belegte in ihrer Kategorie den ersten Platz. Dieser Titel als "lebenswerteste Stadt der Welt" ist kein Zufall, sondern das Ergebnis vieler Faktoren.

Die Stadt mit ihren rund 24.000 Einwohnern bietet das Beste aus Stadt und Land. Die historische Altstadt besticht durch ihren Charme, während eine intakte Infrastruktur und alle Notwendigkeiten des täglichen Lebens vorhanden sind. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger trägt maßgeblich dazu bei, die Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern.
Pfaffenhofen hat eine starke Tradition im Bereich Bio und Nachhaltigkeit. Der größte Betrieb vor Ort, Hipp Babynahrung, gilt als eines der nachhaltigsten Unternehmen Deutschlands. Die Stadt selbst fördert diese Tradition durch Maßnahmen wie eine gentechnikfreie Zone, die Nutzung von 100% Wasserkraftstrom und ein Biomasse-Heizkraftwerk. Mit dem Ecoquartier entsteht zudem ein zukunftsweisendes Stadtviertel mit 100% regenerativer Energieversorgung, ökologischen Baustoffen und neuen sozialen Wohnformen.
Geografisch liegt Pfaffenhofen mitten im Herzen der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt. Diese einzigartige Kulturlandschaft prägt die Region und liefert die Zutaten für das weltberühmte bayerische Bier. Das sanft-hügelige Pfaffenhofener Land ist zudem ein Paradies für Radfahrer, Wanderer und Spaziergänger und bietet zahlreiche Freizeitmöglichkeiten direkt vor der Haustür.
Die Stadt ist auch für alle Generationen attraktiv. Mit ausreichend Krippen- und Kindergartenplätzen, allen Schularten, einer großen Indoor-Skatehalle, vielfältigen Senioreneinrichtungen, einer ausgezeichneten Ärztelandschaft und der Ilmtalklinik ist Pfaffenhofen ein guter Ort zum Leben, egal in welchem Alter. Die Ausrichtung der kleinen bayerischen Landesgartenschau 2017 hat zudem neue öffentliche Grünflächen geschaffen und das Ufer der Ilm als "Grünes Band durch die Stadt" aufgewertet, was die Natur in der Stadt erlebbarer macht.
Als Basisstation für Bayernentdecker ist Pfaffenhofen ideal gelegen. Große Attraktionen wie Nürnberg oder die Königsschlösser sind nur einen Katzensprung entfernt. Doch auch die Innenstadt Pfaffenhofens selbst bietet einen besonderen Flair zum Einkaufen und Verweilen.
Kulturell hat Pfaffenhofen ebenfalls viel zu bieten. Von "Urban Culture" in der Kulturhalle bis hin zu traditionellen Volksfesten, Dulten und Märkten gibt es ein vielfältiges Angebot. Zudem sind die kulturellen Angebote der umliegenden Großstädte schnell erreichbar.
Ein besonderes Ereignis: Die Promi-Hochzeit
Pfaffenhofen ist nicht nur ein Ort des alltäglichen Lebens und der Verwaltung, sondern auch Schauplatz besonderer persönlicher Momente. Am Freitag, dem 9. August, fand im Festsaal des Rathauses eine besondere Trauung statt: Stefan Bradl, ein bekannter deutscher Motorradrennfahrer und Weltmeister, gab seiner Verlobten Jana das Ja-Wort.
Stefan Bradl ist in der Welt des Motorsports eine feste Größe. Er wurde 2011 Weltmeister in der Moto2-Klasse und hat sieben Grand-Prix-Siege errungen. Auch sein Vater, Helmut Bradl, ist ein bekannter ehemaliger Motorradrennfahrer und Vizeweltmeister. Obwohl das Brautpaar im Landkreis Aichach-Friedberg wohnt, entschieden sie sich bewusst für Pfaffenhofen, da die Braut hier aufgewachsen ist und ihr Mann die Stadt ebenfalls sehr schätzt. Nach fast 13 Jahren Beziehung wählten sie Pfaffenhofen als Ort für ihre Trauung in der für Jana schönsten Stadt.
Ein besonderer Höhepunkt war, dass die zweieinhalbjährige Tochter des Paares bei der Trauung dabei sein konnte. Nach der standesamtlichen Zeremonie folgte eine Feier mit 70 Gästen und hervorragendem Essen in der Eventtenne in Pfaffenhofen. Statt eines Motorrads diente ein eleganter Mercedes 300 SL Roadster als Hochzeitsgefährt.
Die Standesbeamtin Heidi Haas beschrieb das Paar als "super sympathisch und emotional". Mit einem Schmunzeln merkte sie an, dass man auch bei der Trauung die Geschwindigkeit spürte, die bei den beiden eine Rolle spielt – sowohl beim Hochzeitskuss als auch bei der Unterschrift wurde nicht lange gezögert.
Häufig gestellte Fragen zu Pfaffenhofen
Hier finden Sie Antworten auf einige häufig gestellte Fragen rund um Pfaffenhofen an der Ilm:
Wie viele ausländische Personen leben im Landkreis Pfaffenhofen?
Zum Stichtag 31.12.2024 lebten 18.542 ausländische Personen im Landkreis Pfaffenhofen, was einer Quote von rund 14 % entspricht.

Aus wie vielen Nationen stammen die ausländischen Einwohner in Pfaffenhofen?
Die ausländischen Personen im Landkreis stammen aus 135 verschiedenen Nationen.
Wie viele Personen wurden 2024 in Pfaffenhofen eingebürgert?
Im Jahr 2024 konnten 505 Personen in Pfaffenhofen eingebürgert werden.
Welche Nationalitäten wurden 2024 am häufigsten eingebürgert?
Die meisten Einbürgerungen betrafen kosovarische Staatsangehörige, gefolgt von ehemaligen türkischen Staatsangehörigen, Rumänen, Syrern, Afghanen und Ukrainern.
Was hat sich durch das neue Staatsangehörigkeitsgesetz geändert?
Seit dem 27.06.2024 wurde die erforderliche Aufenthaltszeit für eine Einbürgerung von acht auf fünf Jahre verkürzt und die generelle Mehrstaatigkeit akzeptiert.
Warum gilt Pfaffenhofen als lebenswerte Stadt?
Pfaffenhofen wurde 2011 als "lebenswerteste Stadt der Welt" in ihrer Kategorie ausgezeichnet. Gründe dafür sind unter anderem die zentrale Lage, die Kombination aus Stadt- und Landleben, eine intakte Infrastruktur, starkes Bürgerengagement, Tradition im Bio-Bereich, Nachhaltigkeitsinitiativen, die umliegende Naturlandschaft (Hallertau), Angebote für alle Generationen und ein vielfältiges Kulturangebot.
Fand eine prominente Hochzeit in Pfaffenhofen statt?
Ja, am 9. August heiratete der Motorradrennfahrer Stefan Bradl seine Verlobte Jana im Rathaus von Pfaffenhofen.
Wie viele ukrainische Kriegsflüchtlinge leben Ende 2024 noch im Landkreis?
Zum Jahresende 2024 hielten sich rund 1.650 ukrainische Kriegsflüchtlinge im Landkreis Pfaffenhofen auf.
Wie werden Flüchtlinge und Asylsuchende in Pfaffenhofen untergebracht?
Ein Teil wird in privaten Unterkünften untergebracht, der Rest in dezentralen Unterkünften des Landratsamts. Auf die Belegung von Turnhallen konnte verzichtet werden.
Können Asylsuchende in Pfaffenhofen arbeiten?
Grundsätzlich erteilt die Ausländerbehörde ab dem dritten Monat des gestatteten Aufenthalts die Zustimmung zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Die Beschäftigungsquote bei diesem Personenkreis liegt bei knapp einem Drittel.
Wie viele Personen wurden 2024 aus dem Landkreis Pfaffenhofen abgeschoben oder sind freiwillig ausgereist?
Im Jahr 2024 wurden 37 Personen abgeschoben und 228 Personen haben freiwillig das Bundesgebiet verlassen.
Pfaffenhofen an der Ilm ist eine Stadt im Wandel, die sich den Herausforderungen der Zeit stellt und gleichzeitig ihre Qualitäten als lebenswerter Ort bewahrt. Die Vielfalt seiner Einwohner und die dynamische Entwicklung machen Pfaffenhofen zu einem spannenden Ort zum Leben und Entdecken.
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