Hoch oben im malerischen Rothaargebirge, nahe dem beschaulichen Oberhundem im Kreis Olpe, thront ein Bauwerk von besonderer Bedeutung: der Rhein-Weser-Turm. Auf einer Höhe von etwa 680 Metern über dem Meeresspiegel gelegen, bietet dieser 24 Meter hohe Aussichtsturm nicht nur einen weiten Blick über die umliegende Landschaft, sondern beherbergt im Erdgeschoss auch eine einladende Gaststätte, die zu einer Rast nach einer Wanderung einlädt. Die Geschichte des Turms ist ebenso reichhaltig und vielschichtig wie die Natur, die ihn umgibt, und macht ihn zu einem beliebten Ziel für Einheimische und Besucher.

Der Turm steht auf einem Südausläufer des Stengenbergs, der selbst 706,5 Meter hoch ist. Seine exponierte Lage ist nicht nur für die Aussicht von Vorteil, sondern auch geografisch von großer Bedeutung. Direkt am Turm verläuft nämlich die markante Rhein-Weser-Wasserscheide. Dieses natürliche Phänomen bedeutet, dass Regenwasser, das westlich des Turms fällt, letztendlich den Rhein erreicht, während Wasser, das östlich fällt, in die Weser fließt. Bäche wie die Lütke Rinsecke und Rinsecke, die nordwestlich des Westerbergs (einer Anhöhe nahe dem Turm) entspringen, speisen über Hundem, Lenne und Ruhr den Rhein. Auf der anderen Seite fließen Gewässer, die südöstlich verlaufen, wie die Röspe (oft auch Schwarzbach genannt), die nur etwa 700 Meter südwestlich des Turms entspringt, über Eder und Fulda in die Weser. Diese klare Trennlinie macht den Standort des Turms zu einem faszinierenden Punkt für Geografie-Interessierte.
Standort und Geografische Bedeutung
Der Rhein-Weser-Turm befindet sich im Gemeindegebiet von Kirchhundem. Er liegt etwa 7,7 Kilometer Luftlinie ostsüdöstlich des Kernortes Kirchhundem, eingebettet zwischen den Ortsteilen Oberhundem im Nordwesten und Rüspe im Südosten. Das Bauwerk ist Teil des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge, einer Region, die für ihre dichten Wälder, sanften Hügel und zahlreichen Wanderwege bekannt ist. Die genaue Position des Turms, 245 Meter nordnordöstlich eines bewaldeten Ausläufers des Stengenbergs, auf rund 680 Metern Höhe, unterstreicht seine Rolle als Aussichtspunkt par excellence. Die Nähe zum Westerberg, der 662,1 Meter misst, und dem Stenberg (706,5 Meter) platziert ihn in einer der landschaftlich reizvollsten Gegenden Nordrhein-Westfalens.
Die Ursprünge und der Bau im Jahr 1932
Die Geschichte des Rhein-Weser-Turms begann mit einer weit bescheideneren Idee. Ursprünglich war an diesem Standort eine Schutzhütte geplant. Diese sollte Waldarbeitern, Kirchgängern, Wanderern und Skifahrern Schutz bieten, insbesondere da kurz zuvor eine Skisprungschanze, damals schlicht „Skibahn“ genannt, in der Nähe errichtet worden war. Doch die Vision entwickelte sich rasch weiter. Es entstand die Idee, nicht nur eine einfache Hütte, sondern einen Aussichtsturm zu errichten, der den Besuchern einen Blick über die beeindruckende Mittelgebirgslandschaft ermöglichen sollte.
Die Umsetzung dieser Idee erfolgte zügig. Der Rhein-Weser-Turm wurde im Jahr 1932 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme errichtet. In nur 77 Tagen Bauzeit wurde das Bauwerk fertiggestellt – ein beeindruckendes Tempo für die damalige Zeit. Die Eröffnung wurde am Tag der Fertigstellung, dem 21. August 1932, feierlich begangen. Zahlreiche Prominente und eine große Zahl der Bevölkerung nahmen an den Feierlichkeiten teil, was die Bedeutung des Turms von Anfang an unterstrich.
Architektur und Konstruktion
Der Rhein-Weser-Turm ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Bauweise seiner Zeit. Er ist ein verfensterter Holzturm, der auf einem massiven Sockel aus ortstypischem Porphyrgestein steht. Der Grundriss des Turms ist quadratisch. Die innere Konstruktion besteht aus vier kräftigen Fichtenstämmen, die die Last tragen. Die Außenhaut ist verbrettert. Eine Besonderheit der Architektur ist die nach oben hin verjüngende Form: Am Sockel misst der Turm 9,20 Meter mal 9,20 Meter, was einer Fläche von 84,64 Quadratmetern entspricht. An der Spitze verringert sich dieser Grundriss auf 4 Meter mal 4 Meter, also 16 Quadratmeter. Diese Verjüngung verleiht dem Turm eine elegante Silhouette und strukturelle Stabilität.
Im Inneren des achtstöckigen Turms führt eine Treppe mit 113 Stufen aus Buchenholz zur Aussichtsplattform. Im Jahr 2005 wurden 60 dieser Stufen erneuert, um die Sicherheit und den Komfort der Besucher zu gewährleisten. Zur weiteren Erhöhung der Stabilität, insbesondere gegen Windlasten, ist der Turm von den Ecken der sechsten Etage aus mit vier Stahltrossen schräg nach außen abgespannt. Diese sichtbaren Seile sind nicht nur ein funktionelles Element, sondern prägen auch das Erscheinungsbild des Turms.
Der Turm im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit
Wie viele Bauwerke in exponierter Lage, spielte auch der Rhein-Weser-Turm während des Zweiten Weltkriegs eine Rolle. Ab 1943 wurde der Turm für die Öffentlichkeit gesperrt und diente als wichtige Waldbrand-Beobachtungsstation. Seine Höhe bot eine ideale Übersicht, um Brände in den weitläufigen Wäldern frühzeitig zu erkennen.
Die Kriegsereignisse erreichten den Turm im April 1945 auf dramatische Weise. Am 6. April nahmen amerikanische Verbände den Rhein-Weser-Turm ohne nennenswerten Widerstand ein und richteten dort eine Artilleriebeobachtungsstelle ein. Die weitere Vormarschplanung auf das nahegelegene Oberhundem am Morgen des 7. April geriet jedoch zur Katastrophe. Deutsche Truppen hatten auf einer gegenüberliegenden Anhöhe leichte Flak-Geschütze postiert und nahmen die über die „Skibahn“ vorrückenden amerikanischen Soldaten unter Feuer. Die Verluste auf amerikanischer Seite waren Berichten zufolge erschreckend hoch, mit Schätzungen von 400 bis sogar 650 gefallenen Soldaten. Die Reaktion der Amerikaner war verheerend: Schwerer Artilleriebeschuss und Luftangriffe auf Oberhundem waren die Folge. Diese Angriffe forderten weitere 25 deutsche Soldaten und 24 Zivilisten das Leben und führten zur Zerstörung großer Teile des Ortes. Der Rhein-Weser-Turm selbst überstand diese direkten Kampfhandlungen relativ unbeschadet, war aber Zeuge dieser tragischen Ereignisse.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit blieben die Kriegsschäden am Turm zunächst unrepariert. Eindringendes Wasser verschlimmerte den Zustand des Bauwerks zusätzlich, sodass der Turm vom Einsturz bedroht war. Glücklicherweise konnte der Verfall abgewendet werden. Im Jahr 1949 wurde der Rhein-Weser-Turm umfassend saniert. Diese Sanierung wurde durch Spenden und Landeszuschüsse ermöglicht und sicherte den Fortbestand dieses wichtigen Bauwerks.
Übergang in Privateigentum und Entwicklungen bis 2000
Ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte des Turms ereignete sich im Jahr 1956. Zu diesem Zeitpunkt ging der Aussichtsturm in Privateigentum über. Die neuen Eigentümer und später ihre Kinder bewirtschafteten den Turm und die darin befindliche Gaststätte über vier Jahrzehnte lang, bis zum Jahr 2000. Diese Phase des Privatbesitzes ermöglichte den Betrieb und die Pflege des Turms über einen langen Zeitraum und machte ihn zu einem festen Bestandteil des lokalen Lebens und des Tourismus in der Region.
Entwicklungen seit dem Jahr 2000
Ende des Jahres 2000 stand ein weiterer Eigentümerwechsel an. Der Rhein-Weser-Turm wurde von der Familie Schwermer übernommen, die aus dem benachbarten Heinsberg stammt. Mit dem neuen Eigentümer begann eine Phase der umfassenden Renovierung und Erweiterung. In den folgenden Monaten wurden die Gasträume im Erdgeschoss grundlegend saniert und erweitert. Dieses Unterfangen wurde nicht nur von der Eigentümerfamilie getragen, sondern auch von einem neu gegründeten Verein unterstützt: dem Verein der Freunde und Förderer des Rhein-Weser-Turmes e. V. Dieses bürgerschaftliche Engagement zeigt die tiefe Verbundenheit der Region mit ihrem Wahrzeichen.
Im Zuge dieser Renovierungsarbeiten erhielt der Turm auch eine neue, markante kupferne Verkleidung, die ihm ein frisches Aussehen verlieh. Die Bedeutung des Turms wurde in dieser Zeit auch offiziell gewürdigt: Er wurde in die Denkmalliste der Gemeinde Kirchhundem aufgenommen, was seinen kulturellen und historischen Wert unterstreicht. Eine weitere interessante Neuerung war die Einrichtung eines Trauzimmers des Standesamtes Kirchhundem in der Gaststätte. Dies ermöglicht es Paaren, sich an diesem besonderen Ort das Jawort zu geben.
Auch das touristische Angebot rund um den Turm wurde erweitert. Im ehemaligen Stallgebäude wurde ein Wanderhotel eingerichtet. Dieses Hotel wurde als Qualitätsbetrieb Rothaarsteig zertifiziert, was seine Eignung und Attraktivität für Wanderer, die den berühmten Rothaarsteig oder andere Wege in der Umgebung nutzen, hervorhebt. Der Rhein-Weser-Turm entwickelte sich somit von einem reinen Aussichtsturm mit Gaststätte zu einem umfassenderen touristischen Anziehungspunkt.
Auch Naturereignisse forderten den Turm heraus. Den Jahrhundertsturm „Kyrill“, der am 18. Januar 2007 über Deutschland hinwegfegte und in den Wäldern des Rothaargebirges verheerende Schäden anrichtete, überstand der Rhein-Weser-Turm glücklicherweise unbeschadet. Im gleichen Jahr, 2007, wurden die Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Eröffnung begangen. Im Rahmen dieser Jubiläumsveranstaltung wurde das „Kreuz der Wanderer“ eingeweiht. Dieses Kreuz wurde vom heimischen Künstler Pater Leo Jahn entworfen, gestaltet und geweiht und dient als Symbol für die Bedeutung des Turms für Wanderer und als Ort der Besinnung.
In den letzten Jahren gab es auch Herausforderungen bei der Wasserversorgung. Im Zuge des trockenen Sommers 2018 fiel die Meinscheid-Quelle, die seit den 1950er Jahren zur Versorgung der Gaststätte genutzt wurde und etwa 800 Meter entfernt liegt, trocken. Dies machte die Lieferung von Trinkwasser per Tankwagen erforderlich. Als Reaktion darauf wurde ein Jahr später ein neuer Brunnen angelegt, der Wasser aus einer anderen Quelle in 84 Metern Tiefe bezieht und die Versorgung langfristig sichern soll.
Seit dem Jahr 2019 verleiht der Rhein-Weser-Turm-Verein eine besondere Auszeichnung: den „Türmer des Jahres“. Diese Ehrung würdigt Personen, die sich in besonderer Weise um den Turm oder das Wandern in der Region verdient gemacht haben.
Die Gaststätte am Rhein-Weser-Turm
Wie bereits erwähnt, befindet sich im Erdgeschoss des Rhein-Weser-Turms eine Gaststätte. Sie bildet das Herzstück des Betriebs am Fuße des Turms und bietet Besuchern die Möglichkeit zur Einkehr und Stärkung. Nach dem Erklimmen der 113 Stufen zur Aussichtsplattform oder nach einer ausgedehnten Wanderung in der Umgebung ist die Gaststätte ein willkommener Ort, um eine Pause einzulegen. Die Renovierungen und Erweiterungen nach dem Jahr 2000 haben die Räumlichkeiten modernisiert und einladender gestaltet. Obwohl spezifische Details zur Speisekarte oder den Öffnungszeiten hier nicht vorliegen, ist die Existenz der Gaststätte ein wesentlicher Bestandteil des Gesamterlebnisses am Rhein-Weser-Turm und trägt maßgeblich zu seiner Attraktivität als Ausflugsziel bei. Sie ist oft der erste und letzte Anlaufpunkt für Besucher und bietet einen gemütlichen Rahmen, um die Eindrücke der Umgebung zu verarbeiten oder sich auf weitere Unternehmungen vorzubereiten.
Besucherzahlen und Bedeutung heute
Der Rhein-Weser-Turm ist nach wie vor ein beliebtes Ziel. Im Jahresdurchschnitt wird der Turm von etwa 10.000 Besuchern erklommen. Diese Zahl unterstreicht die anhaltende Anziehungskraft des Bauwerks als Aussichtspunkt und Freizeitziel. Die Kombination aus historischer Bedeutung, architektonischer Besonderheit, der faszinierenden geografischen Lage an der Wasserscheide und dem Angebot der Gaststätte sowie des Wanderhotels macht den Rhein-Weser-Turm zu einem lebendigen Ort im Rothaargebirge.
Er ist nicht nur ein stummes Denkmal der Vergangenheit, sondern ein aktiver Teil der touristischen Infrastruktur der Region. Die Bemühungen des Eigentümers und des Fördervereins tragen dazu bei, den Turm instand zu halten, sein Angebot zu erweitern und seine Geschichte lebendig zu halten. Ob man wegen der Aussicht kommt, wegen der Geschichte, wegen der geografischen Besonderheit oder einfach nur, um in der Gaststätte einzukehren – der Rhein-Weser-Turm bietet für jeden Besucher etwas.
Häufig gestellte Fragen zum Rhein-Weser-Turm
Um die wichtigsten Informationen zum Rhein-Weser-Turm zusammenzufassen, beantworten wir hier einige häufig gestellte Fragen:
Wo genau liegt der Rhein-Weser-Turm?
Der Turm liegt im Rothaargebirge, nahe Oberhundem und Rüspe, im Gemeindegebiet Kirchhundem im Kreis Olpe, Nordrhein-Westfalen. Er befindet sich auf etwa 680 Metern Höhe auf einem Ausläufer des Stengenbergs.
Wann wurde der Turm gebaut?
Der Rhein-Weser-Turm wurde im Jahr 1932 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme errichtet.
Welche Höhe hat der Aussichtsturm?
Der Turm ist 24 Meter hoch.
Gibt es eine Gaststätte am Turm?
Ja, im Erdgeschoss des Rhein-Weser-Turms befindet sich eine Gaststätte, die Besucher zur Einkehr einlädt.
Was ist die Besonderheit der Lage des Turms?
Der Turm liegt direkt an der Rhein-Weser-Wasserscheide. Wasser westlich des Turms fließt zum Rhein, Wasser östlich fließt zur Weser.
Wurde der Turm im Zweiten Weltkrieg genutzt?
Ja, der Turm diente ab 1943 als Waldbrand-Beobachtungsstation und wurde im April 1945 kurzzeitig von amerikanischen Truppen als Artilleriebeobachtungsstelle genutzt.
Kann man im Turm oder in der Nähe übernachten?
Ja, im ehemaligen Stallgebäude des Turmes wurde ein Wanderhotel eingerichtet, das auch als Qualitätsbetrieb Rothaarsteig zertifiziert ist.
Ist der Turm ein Denkmal?
Ja, der Rhein-Weser-Turm wurde in die Denkmalliste der Gemeinde Kirchhundem aufgenommen.
Kann man am Rhein-Weser-Turm heiraten?
Ja, in der Gaststätte wurde ein Trauzimmer des Standesamtes Kirchhundem eingerichtet.
Wie viele Stufen hat der Turm bis zur Aussichtsplattform?
Der Turm hat 113 Stufen.
Der Rhein-Weser-Turm ist somit weit mehr als nur ein Aussichtspunkt. Er ist ein Ort mit reicher Geschichte, beeindruckender Architektur und einer wichtigen Funktion als Anlaufpunkt für Wanderer und Naturfreunde. Die Kombination aus landschaftlicher Schönheit, historischer Tiefe und der Möglichkeit zur Einkehr in der Gaststätte macht ihn zu einem unverzichtbaren Ziel im Rothaargebirge.
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