Schloss Gymnich, eine beeindruckende Wasserburg in der malerischen Erftaue, gelegen im Erftstädter Stadtteil Gymnich in Nordrhein-Westfalen, blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Jahrhundertelang war es der Stammsitz des rheinischen Rittergeschlechtes von Gymnich und zeugt noch heute von vergangener Pracht und Bedeutung. Umgeben von einem weitläufigen Park, der sich über 21 Hektar erstreckt, ist das Schloss nicht nur ein architektonisches Kleinod, sondern auch ein Ort reich an historischen Ereignissen und Legenden.

Die Wurzeln des Schlosses reichen bis ins Jahr 1354 zurück, als Heinrich I. von Gymnich am westlichen Ortsrand eine erste Burg errichtete. Diese wurde jedoch nach Auseinandersetzungen und auf Befehl des Kölner Erzbischofs im Jahr 1399 wieder abgerissen. Der Nachfolgebau, der heutige Standort östlich der ersten Anlage, wurde kurz darauf begonnen. Im Jahr 1419 wurde Johann von Gymnich mit dem neuen Haus Gymnich belehnt. Das Schloss verblieb im Besitz der Familie von Gymnich bis zum Aussterben der Linie im Jahr 1824 mit dem Tod von Freiin Johanna von Gymnich.
Ein Erbe im Wandel der Zeit
Nach dem Ende der Linie von Gymnich ging das Schloss durch Schenkung an die Familie Wolff Metternich über. Vilma Reichsgräfin Wolff Metternich, das letzte Familienmitglied und Erbin, brachte das Schloss durch ihre Heirat in die Linie de Maistre. Nach dem kinderlosen Tod ihres Sohnes Rudolf Vicomte de Maistre fiel das Erbe an den testamentarisch bestimmten Nacherben: Jörg Freiherr von Holzschuher, den Enkel von Vilma. Er erbte eine Anlage, die nach Jahren des Leerstands und militärischer Nutzung im Zweiten Weltkrieg (die Luftwaffe hatte hier ihre Telefonzentrale) stark renovierungsbedürftig war. Das Ehepaar Vicomte de Maistre hatte das Schloss selbst schon länger nicht mehr bewohnt und sich ein neues Wohnhaus in der Vorburg errichten lassen.
Jörg von Holzschuher nahm sich der Aufgabe an und modernisierte das Schloss, um es den modernen Wohnbedürfnissen anzupassen. Er ließ unter anderem eine Zentralheizung einbauen, erneuerte die Stromleitungen, richtete Bäder und Toiletten ein und restaurierte die prächtigen Repräsentationsräume grundlegend. Diese Maßnahmen bereiteten das Schloss auf eine neue, bedeutende Ära vor.
Das Bundesgästehaus: Bühne der Weltpolitik
Ab 1971 begann eine der wohl bekanntesten Phasen in der Geschichte von Schloss Gymnich. Jörg von Holzschuher vermietete das Anwesen für 750.000 DM pro Jahr an die Bundesregierung. Für fast zwei Jahrzehnte, bis Juli 1990, diente Schloss Gymnich als repräsentatives Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland. Es übernahm diese Rolle sowohl vor als auch nach dem Bundesgästehaus auf dem Petersberg.
In diesen Jahren beherbergte das Schloss insgesamt 262 Staatsgäste aus aller Welt. Berühmtheiten wie Königin Elisabeth II., US-Präsident Richard Nixon und der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew zählten zu den illustren Besuchern. Oft landeten die Staatsgäste auf dem nahe gelegenen Fliegerhorst Nörvenich und wurden dann nur eine kurze Strecke zum Schloss gefahren.
Ein bleibendes Erbe aus dieser Zeit ist der Begriff „Gymnich-Treffen“. Er geht auf ein Treffen im Rahmen der Europäischen Politischen Zusammenarbeit zurück, das Hans-Dietrich Genscher im April 1974 im Schloss veranstaltete. Seitdem finden diese informellen Treffen der EU-Außenminister einmal pro Ratspräsidentschaft statt.
Schloss Gymnich war auch Schauplatz eines historischen Geheimtreffens: Am 25. August 1989 kamen der ungarische Ministerpräsident Nemeth und Bundeskanzler Kohl hier zusammen. Dieses Treffen hatte weitreichende Folgen, da es zur Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze für DDR-Flüchtlinge in der Nacht vom 10. auf den 11. September 1989 führte – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur deutschen Wiedervereinigung.
Architektur und Ausstattung: Ein Blick ins Innere
Die Anlage von Schloss Gymnich ist eine klassische Wasserburg. Über eine Allee gelangt man zum Eingangstor. Die Vorburg, der ehemalige Wirtschaftshof, ist nur noch teilweise erhalten, der Nordflügel wurde abgerissen. Eine Brücke verbindet die Vorburg mit der Hauptburg, die auf einer rechteckigen Insel liegt, umgeben von Wassergräben.

Die Hauptburg selbst ist eine zweiflügelige Anlage. Der Westflügel mit seinen zwei Türmen und der nördliche Trakt bilden einen rechten Winkel. Im Winkel befindet sich der Eingang, der über einen kleinen Vorbau im Neobarockstil erreicht wird (dieser Vorbau wurde erst bei Umbauten zwischen 1903 und 1930 hinzugefügt, der Haupteingang wurde 1907 verlegt).
Die beiden Flügel stammen aus unterschiedlichen Bauphasen. Nach der Zerstörung im Hessenkrieg 1642 wurde der 1547 errichtete Westflügel mit dem südlichen Kapellenturm (erbaut um 1655-1659) von Sofia Margarethe Wolff genannt Metternich im Barockstil wiederaufgebaut. Im Sockelfundament des Kapellenturms sind noch ältere Reste erkennbar. Der Nordflügel wurde 1722 errichtet. Karl Otto Ludwig Theodat von und zu Gymnich ließ die Innenräume 1738 im prunkvollen Rokokostil ausstatten.
Die Innenausstattung ist von besonderer Bedeutung. Prächtige Stuckverzierungen schmücken die Säle. Im „Kurfürstensaal“ sind Porträts der damaligen Kurfürsten in die Wandflächen eingelassen. Das „Marmorkabinett“ zeigt ein Porträt der Kaiserin Maria Theresia. Zahlreiche Gemälde von Persönlichkeiten aus der Familie von Gymnich sowie einzigartige Supraporten mit Darstellungen von Schlössern des Kurfürsten Clemens August vervollständigen das Bild dieser historischen Räume.
Henriette Meynen hebt hervor, dass die Bedeutung des Barockschlosses nicht nur in seiner kunstvollen Innenausstattung liegt, sondern auch in seinem großen Park. Dieser englische Landschaftspark, der das Schlossensemble auf einer Fläche von etwa 15 Hektar umgibt, beherbergt eine Fülle einheimischer Gehölzarten sowie botanisch auffallende Exoten.
Das gesamte Gebäudeensemble steht heute unter Denkmalschutz.
Neue Besitzer und turbulente Zeiten nach der Bundesregierung
Nachdem die Bundesregierung das Gästehaus zum Petersberg zurückverlegt hatte, suchte Freiherr von Holzschuher einen Käufer. Im Juni 1987 erwarb der japanische Unternehmer Masao Nangaku das Schloss für 28 Millionen DM. Er hatte ehrgeizige Pläne, wollte Schloss Gymnich in ein Luxushotel mit einem angrenzenden Golfplatz umwandeln. Doch finanzielle Schwierigkeiten verhinderten die Umsetzung seiner Visionen. Da er vom Kauf nicht zurücktreten konnte, ohne einen neuen Käufer zu finden, verkaufte er das Schloss 1993 an Joachim (Joe) Wander von der Wander-Gruppe.
Auch Wander plante zunächst einen Golfplatz, musste aber feststellen, dass die Baugenehmigung dafür bereits 1992 zurückgezogen worden war. Er richtete stattdessen ein Hotel der gehobenen Klasse ein. Dieses erwies sich jedoch ohne den geplanten Golfplatz als nicht rentabel, da die erwarteten Gäste ausblieben. Aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten musste auch Joe Wander das Schloss wieder aufgeben.
Im Juli 1998 kam es zu einer Zwangsversteigerung, bei der Dan Kelly, der Vater der bekannten Musikgruppe Kelly Family, das Schloss für 13,1 Millionen DM erwarb. Die Kelly Family bezog das Schloss und wohnte dort bis zum Tod des Vaters im Jahr 2002. Die Anwesenheit der berühmten Familie zog zahlreiche Fans an, was zuweilen zu Beeinträchtigungen für die Anwohner führte und sogar einen gesonderten Ordnungsdienst erforderlich machte.
Mit der Zeit zogen die meisten Kinder aus, und Dan Kelly verbrachte oft allein im Schloss. Schon ab dem Jahr 2000 gab es mehrere Versuche, das Schloss zu verkaufen, die jedoch nicht erfolgreich waren. Nach Dan Kellys Tod im August 2002 erbten seine insgesamt zwölf Kinder das Schloss gemeinschaftlich. Aufgrund der vielen Miteigentümer gestaltete sich die Einigung über eine Nachnutzung oder einen Verkauf als äußerst schwierig.

Zwischenzeitlich wurde das Schloss verpachtet. Im Jahr 2005 gründeten die Unternehmer Wilfried Vogt und Manfred Diel zusammen mit Joey Kelly die „Schloss Gymnich GmbH“, die versuchte, das Schloss als Restaurant und Veranstaltungsort zu betreiben. Nach der Festnahme Manfred Diels im Zusammenhang mit der Insolvenz der Heros Unternehmensgruppe musste auch diese GmbH im Frühjahr 2006 Insolvenz anmelden. Ab Mai 2006 übernahm eine Auffanggesellschaft, die „Schloss Gymnich Erleben und Genießen GmbH“, deren Geschäftsführer Wilfried Vogt blieb und an der Joey Kelly weiterhin als Gesellschafter beteiligt war. Bis 2009 wurde das Schloss als Hotel und Restaurant der gehobenen Klasse geführt und diente als Veranstaltungsort.
Von September 2010 bis Juni 2011 diente das Schloss sogar als Außenkulisse für die ZDF-Telenovela „Lena – Liebe meines Lebens“, was ihm kurzzeitig wieder öffentliche Aufmerksamkeit verschaffte.
Die erneute Zwangsversteigerung und der heutige Eigentümer
Aufgrund der anhaltenden Uneinigkeit unter den vielen Miteigentümern betrieb Joey Kelly schließlich eine erneute Zwangsversteigerung. Der Verkehrswert des Schlosses wurde dabei auf 5,3 Millionen Euro festgesetzt. Das Mindestgebot lag von Amts wegen bei 2,65 Millionen Euro. Bei einem ersten Termin am 31. Januar 2012 lag jedoch nur ein Gebot von Joey Kelly selbst vor, das mit 1,7 Millionen Euro unter dem Mindestgebot lag, weshalb es vorerst nicht zum Verkauf kam.
Am 3. Juli 2012 fand die entscheidende Zwangsversteigerung im Amtsgericht Brühl statt. Dort ersteigerte der ehemalige Kölner Industrieversicherungsmakler Gerd Overlack das Wasserschloss für 3,05 Millionen Euro. Er äußerte die Absicht, selbst in das Schloss einzuziehen und dort zusätzlich ein kleines Hotel oder Gastgewerbe zu betreiben. Gerd Overlack ist bereits seit dem Jahr 2000 Eigentümer von Schloss Eberstein im Landkreis Rastatt.
Im Mai 2015 begannen umfangreiche Renovierungsarbeiten am Schloss mit dem Ziel, es als Hotel wiederzueröffnen. Die Anlage diente während dieser Zeit auch als Kulisse für den Märchenfilm „Das Wasser des Lebens“. Im Mai 2019 wurde berichtet, dass die Arbeiten im Jahr 2020 abgeschlossen sein sollten. Während des Hochwassers im Jahr 2021 wurde der Schlosspark größtenteils überflutet, was die Arbeiten möglicherweise beeinträchtigt hat.
Ein weiteres Thema, das die Substanz des Schlosses betrifft, ist die Grundwasserabsenkung durch den Braunkohletagebau im rheinischen Revier. Der langjährige Besitzer Jörg von Holzschuher hatte bereits vor vielen Jahren ein kritisches Urteil gefällt und die Befürchtung geäußert, dass das Schloss in seiner Grundsubstanz aufgrund dieses Problems möglicherweise nicht sanierbar sei und über die Jahrzehnte auseinanderbrechen könnte. Das Bergbauunternehmen, früher Rheinbraun, heute RWE Power, zahlte dem damaligen Schlossherrn hierfür eine Entschädigung.
Ungeachtet der Herausforderungen scheint die Zukunft des Schlosses wieder greifbar zu werden. Nach aktuellem Stand (März 2025) ist das Schloss Gymnich buchbar.
Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten
Schloss Gymnich bietet aufgrund seines Umfangs und seiner Ausstattung vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Neben der historischen Hauptburg mit ihren prunkvollen Sälen und Salons verfügt es im ersten und zweiten Obergeschoss über 22 Zimmer, die sich als Suiten, Büros oder Seminarräume eignen. Die historischen Säle im Erdgeschoss, darunter das Bilder- und Marmorkabinett, der Eichen- und Kurfürstensaal sowie die Kapelle, bieten ein einzigartiges Ambiente. Eine Profi- und Cateringküche ist ebenfalls vorhanden.

In der Vorburg befindet sich der ehemalige Bundespressesaal, der sich hervorragend als Eventlocation, Festsaal oder Vortrags- und Seminarraum für 80 bis 100 Personen eignet. Die weiteren Bereiche der Vorburg können je nach Bedarf als Büros, Suiten oder Wohnungen genutzt werden.
Zu den potenziellen Nutzungen, die für das Schloss in Betracht gezogen werden, gehören: Hotel, Restaurant, Tagungshotel, Verwaltungssitz, Family Office, Firmenzentrale, Fortbildungsstätte oder auch ein Gesundheitszentrum.
Sage und Wappen
Eng verbunden mit dem Schloss und dem Geschlecht von Gymnich ist die Sage vom Gymnicher Ritt. Diese Tradition wird noch heute am Christi Himmelfahrtstag von der Sebastianus-Bruderschaft und der St. Kunibertus Schützengesellschaft als Reiter-Prozession begangen. Die Sage ist als Gestaltungselement auch in das Wappen derer von Gymnich eingegangen.
Häufig gestellte Fragen
Wem gehört Schloss Gymnich heute?
Schloss Gymnich gehört heute Gerd Overlack, einem ehemaligen Industrieversicherungsmakler aus Köln, der das Schloss im Juli 2012 bei einer Zwangsversteigerung erworben hat.
Wo liegt Schloss Gymnich?
Schloss Gymnich liegt in Gymnich, einem Stadtteil von Erftstadt, in Nordrhein-Westfalen. Es ist eine Wasserburg in der Erftaue westlich von Köln.
Wer hat Schloss Gymnich von der Kelly Family gekauft?
Nachdem die Kelly Family das Schloss bei einer Zwangsversteigerung verloren hatte, wurde es im Juli 2012 von Gerd Overlack ersteigert.
Wie viele Zimmer hat Schloss Gymnich?
Das Schloss verfügt im ersten und zweiten Obergeschoss über 22 Räume, die als Suiten, Seminarräume oder ähnliches genutzt werden können. Hinzu kommen die historischen Säle im Erdgeschoss sowie weitere Räume in der Vorburg, deren genaue Anzahl als Zimmer oder Wohnungen je nach Nutzung variiert.
Kann man Schloss Gymnich besuchen oder dort übernachten?
Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten, die 2015 begannen, wird berichtet, dass das Schloss ab März 2025 buchbar ist, was auf eine geplante oder bereits erfolgte Wiedereröffnung als Hotel oder Veranstaltungsort hindeutet.
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