Fernab vom Trubel der bekannten bayerischen Seen liegt ein kleines Juwel versteckt inmitten dichter Wälder im malerischen Chiemgau: der Tüttensee. Dieser idyllische Moorsee, je zur Hälfte im Besitz der Gemeinden Grabenstätt und Vachendorf, ist nicht nur für seine außergewöhnliche Wärme im Sommer bekannt, sondern auch für seine bewegte Geschichte und die unberührte Natur, die ihn umgibt. Wer Ruhe und Erholung sucht, abseits der ausgetretenen Pfade, wird am Tüttensee fündig.

Ein Juwel in Oberbayern: Lage und Besonderheiten
Der Tüttensee ist mehr als nur ein einfacher Badesee. Als sogenannter Toteissee zeugt er von der Kraft der Gletscher der letzten Eiszeit, die hier beim Rückzug des Chiemsee-Gletschers die Landschaft formten und einen Kessel hinterließen, der sich mit Wasser füllte. Er liegt eingebettet in einer gut erhaltenen Struktur eiszeitlicher Kame-Schotterterrassen, die heute vollständig bewaldet sind. Diese besondere Entstehungsgeschichte prägt seinen Charakter als verstecktes Naturrefugium.
Eine der auffälligsten Besonderheiten des Tüttensees ist der umlaufende, etwa 50 Meter breite Wall mit einer vollkommen ebenen Krone. Dieses geologische Merkmal, das ebenfalls auf eiszeitliche Prozesse zurückgeführt wird, verleiht dem See eine einzigartige Struktur und trägt zu seinem abgeschiedenen Gefühl bei. Trotz seiner versteckten Lage verfügt der See über eine kleine Abflussrinne im Nordwesten, die das Wasser in den Marwanger Bach leitet.
Die Uferzone des Sees zeigt faszinierende Verlandungsphasen und weist teilweise den Charakter eines Niedermoors auf. Dies macht das Gebiet ökologisch besonders wertvoll. Zusammen mit dem See selbst ist ein Bereich von 68 Hektar als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Dieses Schutzgebiet beherbergt eine artenreiche Flora und Fauna und trägt maßgeblich zur Bewahrung der natürlichen Schönheit und Vielfalt der Region bei. Um die empfindlichen Bereiche zu schützen, ist das Betreten des ökologisch besonders wertvollen Süd- und Ostufers außerhalb des Strandbads untersagt. Auch Schwimmen und Bootsfahren sind unmittelbar vor diesen Abschnitten nicht erlaubt, um die Tier- und Pflanzenwelt nicht zu stören.
Nicht zuletzt ist der Tüttensee einer der wärmsten Seen Oberbayerns. Seine relativ geringe Größe im Vergleich zu größeren Seen und seine Lage in einem geschützten Kessel tragen dazu bei, dass sich das Wasser im Sommer rasch erwärmt und ideale Bedingungen für ausgedehntes Badevergnügen bietet.
Badespaß und Entspannung pur: Das Seebad Tüttensee
Die „Wohlfühloase Tüttensee Seebad“ macht ihrem Namen alle Ehre. Direkt am Südufer gelegen, bietet sie alles, was das Herz eines Badegastes begehrt. Die von alten Bäumen gesäumte Liegewiese lädt dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Hier findet jeder seinen Lieblingsplatz – sei es in der prallen Sonne oder im kühlen Schatten der Bäume, die an heißen Tagen wohltuende Erfrischung spenden.
Der Einstieg ins Wasser wird durch zwei Stege und mehrere Leitern erleichtert. Besonders Familien mit kleineren Kindern oder unsichere Schwimmer profitieren vom abgegrenzten Nichtschwimmerbereich, der sicheres Planschen ermöglicht. Für die geübteren Schwimmer oder einfach zum Sonnenbaden im Wasser gibt es zwei Schwimminseln, die nach wenigen Zügen erreicht sind und einen herrlichen Blick über den See bieten.
Neben dem klassischen Badevergnügen gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur aktiven Betätigung. Eine Beachvolleyballanlage steht bereit für sportliche Duelle im Sand. Wer das Wasser lieber auf dem Brett erkundet, kann Surfbretter ausleihen und über den See paddeln. Auch wenn der See kein ausgewiesenes Surfrevier ist, eignet er sich hervorragend für entspannte Touren mit dem SUP oder einem klassischen Surfbrett.
Für zusätzlichen Komfort sorgen Badeliegen aus Teak-Holz, auf denen man es sich gemütlich machen und einfach nur den Ausblick auf den See genießen kann. Während der Sommermonate sorgt ein Bademeister für die Aufsicht im Schwimmbadbereich und die Wasserwacht unterstützt bei der Sicherheit der Badegäste. Dennoch gilt, wie bei jedem Naturgewässer: Das Baden im Strandbad erfolgt auf eigene Gefahr!
Ein wichtiger Hinweis für Hundebesitzer: Im Seebad Tüttensee sind Hunde leider nicht erlaubt. Dies dient dem Schutz der Liegewiesen und der Sauberkeit des Badebereichs.
Mehr als nur Baden: Aktivitäten rund um den See
Der Tüttensee lädt nicht nur zum Baden ein. Die ruhige und abgeschiedene Lage inmitten des Landschaftsschutzgebietes macht ihn zu einem idealen Ort für diverse Outdoor-Aktivitäten. Eine Runde in absoluter Ruhe zu spazieren ist hier besonders erholsam. Ein gut ausgebauter Rundweg führt auf etwa 2 Kilometern einmal um den See herum. Dieser Weg ist perfekt für einen entspannten Spaziergang, bei dem man die vielfältige Natur des Schutzgebiets erleben kann – die unterschiedlichen Uferbereiche, den Wald und vielleicht sogar einige der geschützten Tierarten.
Auch für Radfahrer bietet die Umgebung des Tüttensees reizvolle Strecken. Eine kleine Radtour durch die Wälder und Felder rund um den See ist eine wunderbare Möglichkeit, die Region zu erkunden und gleichzeitig sportlich aktiv zu sein. Ob Wandern, Joggen oder einfach nur die Natur beobachten – der Tüttensee bietet vielfältige Möglichkeiten, dem Alltag zu entfliehen und neue Energie zu tanken.
Kulinarische Genüsse am Wasser: Kiosk und Restaurant
Für das leibliche Wohl ist am Tüttensee ebenfalls bestens gesorgt. Ein Kiosk bietet während der Badesaison Snacks, Eis und kühle Getränke für den kleinen Hunger zwischendurch. Wer es etwas ausgiebiger mag, kann sich auf das Restaurant freuen, das direkt am Ufer des Tüttensees liegt. Mit einer beeindruckenden, 400 m² großen Seeterrasse lädt es zum Verweilen und Genießen ein.
Das Restaurant lockt morgens wie abends mit köstlichen Speisen und bietet einen traumhaften Blick über den See. Ob ein stärkendes Frühstück vor dem Badetag, ein Mittagessen zwischen den Schwimmrunden oder ein romantisches Abendessen bei Sonnenuntergang – die Gastronomie am Tüttensee rundet das Erlebnis perfekt ab und ermöglicht es, den ganzen Tag am See zu verbringen, ohne auf kulinarische Genüsse verzichten zu müssen.
Ein Erfolgsprojekt: Die Geschichte der Wasserqualität
Die heutige Wasserqualität des Tüttensees, die vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein als gut und zum Baden geeignet eingestuft wird, war nicht immer selbstverständlich. Anfang der 1980er Jahre befand sich der beliebte Badesee in einem beklagenswerten Zustand. Der zunehmende Eintrag von Nährstoffen, vor allem Phosphaten und Nitraten, aus der umliegenden Landwirtschaft über den einzigen Zufluss, den Hiensdorfer Graben, führte zu einer starken Eutrophierung. Der See drohte „umzukippen“, die fischereiliche Nutzung musste eingeschränkt werden.

Das Wasserwirtschaftsamt legte 1989 ein Sanierungskonzept vor, das einen großen Klärteich vorsah. Die geschätzten Kosten von 160.000 DM führten jedoch dazu, dass das Projekt immer wieder verschoben wurde. Hier trat der Bund Naturschutz (BN) auf den Plan. 1995 entwickelte der BN ein alternatives, ökologisch und ökonomisch sinnvolleres Konzept: eine natürliche Pflanzenkläranlage. Die Vorteile lagen auf der Hand: Neben der Reinigung des Wassers würde eine solche Anlage einen hohen ökologischen Wert als Lebensraum für zahlreiche Arten schaffen und deutlich kostengünstiger sein.
Der BN pachtete das nötige Grundstück vom Landkreis und kaufte angrenzende Waldstücke hinzu. So konnte der Zulaufgraben verschlossen und das Wasser breitflächig über die geplante Klärfläche geleitet werden. 1997 wurden drei größere, flache Klärteiche angelegt und der Bachlauf über die gesamte Fläche verrieselt. Die Kosten für Kauf und Baumaßnahmen beliefen sich auf lediglich 11.000 DM, wovon 7.000 DM bezuschusst wurden. Dies stellte eine enorme Einsparung von rund 150.000 DM an Steuergeldern dar.
Seit 1997 wird die Fläche der Pflanzenkläranlage regelmäßig unter der Leitung des BN Traunstein gepflegt, oft in Zusammenarbeit mit Schulklassen, BN-Mitgliedern und ortsansässigen Landwirten. Diese Pflege ist entscheidend für die Funktion der Anlage und die Entwicklung des Biotops. Die Erfolge sind beeindruckend: Nicht nur die Wasserqualität des Tüttensees hat sich deutlich verbessert – so blüht beispielsweise die weiße Seerose wieder – auch die Pflanzenkläranlage selbst hat sich zu einem bedeutenden Lebensraum entwickelt. Sie beherbergt heute das größte Grünfroschvorkommen im Landkreis, und seltene Pflanzen wie Schwertlilien, Orchideen und Rohrkolben überziehen die Fläche. Sogar Bekassinen, eine seltene Vogelart, konnten hier schon beobachtet werden.
Die Geschichte der Wasserqualität am Tüttensee ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie durch die gute Zusammenarbeit von Naturschutzorganisationen, Behörden und Lokalpolitikern ökologisch sinnvolle Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden können. Sie zeigt auch, dass solche Projekte oft nicht nur besser für die Natur sind, sondern sich auch ökonomisch „rechnen“ und langfristig nachhaltige Lösungen bieten. Obwohl der See aufgrund seiner Geschichte und Morphologie weiterhin als eutroph eingestuft wird, ist die deutliche Verbesserung der Wasserqualität für das Baden und die Erholung am See von größter Bedeutung und ein großer Erfolg.
Häufig gestellte Fragen zum Tüttensee
Wem gehört der Tüttensee?
Der Tüttensee gehört je zur Hälfte den Gemeinden Grabenstätt und Vachendorf im Chiemgau.
Kann man im Tüttensee baden?
Ja, das Seebad am Tüttensee ist ein beliebter Badeort mit guter Wasserqualität, Liegewiesen, Stegen und einem Nichtschwimmerbereich. Die Wasserqualität wird regelmäßig überwacht. Das Baden erfolgt dennoch auf eigene Gefahr.
Wie ist die Wasserqualität im Tüttensee?
Dank eines erfolgreichen Sanierungsprojekts mit einer natürlichen Pflanzenkläranlage hat sich die Wasserqualität des Tüttensees deutlich verbessert. Sie wird vom Wasserwirtschaftsamt als gut und zum Baden geeignet eingestuft, auch wenn der See strukturell weiterhin als eutroph gilt. Die Verbesserung ist ein großer Erfolg für Natur und Badegäste.
Wo liegt der Tüttensee?
Der Tüttensee liegt im bayerischen Chiemgau, auf dem Gebiet der Gemeinden Grabenstätt und Vachendorf, versteckt inmitten eines Waldes.
Sind Hunde im Seebad Tüttensee erlaubt?
Nein, Hunde sind im Seebad Tüttensee nicht gestattet.
Wie tief ist der Tüttensee?
Die tiefste Stelle des Tüttensees liegt im Nordwesten und erreicht maximal 17,3 Meter.
Gibt es Gastronomie am Tüttensee?
Ja, es gibt einen Kiosk für Snacks und ein Restaurant direkt am Ufer mit einer großen Seeterrasse.
Was kann man neben dem Baden noch am Tüttensee machen?
Neben dem Baden kann man am Tüttensee wunderbar entspannen, spazieren gehen (es gibt einen etwa 2 km langen Rundweg), Rad fahren, Beachvolleyball spielen oder Surfbretter mieten. Die ruhige Natur lädt zur Erholung ein.
Der Tüttensee ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Naturschutz, Erholung und eine faszinierende Landschaft Hand in Hand gehen können. Seine Geschichte der Wasserqualitätssanierung ist inspirierend, und seine abgeschiedene Lage macht ihn zum perfekten Ziel für alle, die dem Trubel entfliehen und die Schönheit der bayerischen Natur in vollen Zügen genießen möchten. Ob für einen entspannten Badetag, einen Spaziergang durch das Schutzgebiet oder einfach nur, um die Ruhe am Ufer zu genießen – der Tüttensee ist immer einen Besuch wert.
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