Wie isst man Artischocken im Restaurant richtig?

Die Kunst, Artischocken zu genießen

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Artischocken, dieses mediterrane Gemüse, erscheinen oft wie ein kleines Rätsel auf dem Teller. Mit ihrer ungewöhnlichen Form und den vielen Blättern fragen sich viele, besonders wenn sie zum ersten Mal damit konfrontiert werden, wie man sie eigentlich richtig isst. Doch keine Sorge, der Genuss einer Artischocke ist einfacher und angenehmer, als es auf den ersten Blick scheint, und es ist ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wem gehört das Restaurant Artichoke?
Das kürzlich mit einem begehrten MICHELIN-Stern ausgezeichnete Artichoke in Old Amersham ist im Besitz von Chefkoch Laurie Gear und seiner Frau Jacqueline und wird von ihnen geführt.

Was ist eine Artischocke?

Bevor wir uns dem Essen widmen, werfen wir einen Blick darauf, was wir eigentlich vor uns haben. Die Artischocke, wissenschaftlich Cynara cardunculus genannt, ist botanisch gesehen der knospige Blütenstand einer ausdauernden Pflanze, die ihren wilden Vorfahren ähnelt. Geerntet wird dieser Blütenkopf, wenn er noch geschlossen ist und die äußeren Schuppen leicht abstehen. Verpasst man den optimalen Zeitpunkt, öffnet sich der Kopf zu einer wunderschönen violetten Blüte. Der essbare Hauptteil ist der stark fleischige Blütenstandsboden, das sogenannte Artischockenherz, sowie die unteren fleischigen Teile der Hüllblätter. Unter den Blättern befindet sich das "Heu", die nicht geöffneten Blüten, die nicht zum Verzehr geeignet sind.

Die Kunst des Artischocken-Essens: Fingerfood im Restaurant erlaubt

Eines der ersten Dinge, die man über das Artischocken-Essen wissen sollte, ist, dass es sich hierbei um echtes Fingerfood handelt. Ja, richtig gelesen. Selbst in einem Restaurant ist es vollkommen angemessen und sogar die richtige Methode, Ihre Finger zu benutzen, um dieses Gemüse zu genießen. Wenn eine gekochte Artischocke im Ganzen serviert wird, beginnen Sie, indem Sie die dicken, fleischigen Blätter, besonders die im unteren Bereich der Knospe, herauszupfen. Bei einer korrekt zubereiteten Artischocke sollte dies mühelos möglich sein.

Blatt für Blatt zum Genuss

Halten Sie das abgezupfte Blatt an seiner Spitze fest. Wird ein Dip dazu gereicht – und das ist oft der Fall, da Dips wie Vinaigrette den Geschmack wunderbar ergänzen –, tunken Sie das untere, fleischige Ende des Blattes hinein. Auch wenn Sie neu in der Welt der Artischocken sind, ist der essbare Teil des Blattes leicht an seiner helleren Farbe zu erkennen. Nun kommt der wichtigste Schritt: Ziehen Sie diesen fleischigen Teil des Blattes langsam durch Ihre Vorderzähne und lutschen Sie das Innere möglichst geräuschlos aus. Es mag anfangs etwas Übung erfordern, aber Sie werden schnell den Dreh raus haben. Wenn sich der innere, essbare Teil des Blatts einmal nicht sofort lösen lässt, kann es helfen, vorsichtig ein wenig darauf herumzukauen. Sie arbeiten sich beim Artischocken-Essen immer von außen nach innen vor, Blatt für Blatt.

Das kostbare Artischockenherz

Der Höhepunkt des Artischocken-Erlebnisses ist zweifellos das Artischockenherz. Nachdem Sie alle fleischigen Blätter abgezupft und deren essbare Teile genossen haben, gelangen Sie schließlich zum Zentrum der Artischocke. Dieses Herz, der fleischige Blütenboden, ist eine wahre Delikatesse. Im Gegensatz zu den Blättern, die mit den Fingern gegessen werden, erfordert das Artischockenherz die Verwendung von Besteck. Schneiden Sie das Herz in mundgerechte Stücke und genießen Sie es. Denken Sie daran, das faserige "Heu" direkt über dem Herzen zu entfernen, falls es noch vorhanden ist, da dieser Teil nicht essbar ist.

Wie isst man Artischocken im Restaurant richtig?
Artischocken essen: Auch im Restaurant mit den Fingern Bei richtiger Zubereitung sollte dies ganz einfach gehen. Halten Sie das Blatt an seiner Spitze. Wird ein Dip dazu gereicht, tunken Sie das untere Ende des Blatts ein.

Kleine Artischocken: Eine besondere Art des Genusses

Es gibt auch kleinere Artischockensorten, die besonders früh geerntet werden. Ein bekanntes Beispiel ist die dornenlose Römische Artischocke (carciofo romanesco). Diese kleineren Varianten können, je nach Zubereitung, oft sogar im Ganzen verzehrt werden, da ihre Blätter und Stiele zarter sind. Sie werden gebraten, gekocht oder frittiert und bieten ein etwas anderes, aber ebenso köstliches Artischocken-Erlebnis.

Zubereitung und Geschmack

Die häufigste Zubereitungsart für Artischocken ist das Kochen. Sie werden typischerweise 20 bis 45 Minuten lang in Salzwasser gekocht, dem oft etwas Zitronensaft beigefügt wird, um die Farbe zu erhalten und den Geschmack zu unterstützen. Der feine Geschmack einer ungewürzten, gekochten Artischocke wird oft mit dem Eiweiß eines Spiegeleis verglichen – subtil und doch einzigartig. Artischockenböden werden auch gerne eingelegt und sind dann eine beliebte Zutat, zum Beispiel als Pizzabelag oder als Teil mediterraner Antipastiplatten. Eingelegte Artischockenherzen in Öl mit Kräutern sind ebenfalls eine geschätzte Komponente auf solchen Vorspeisentellern. Zusammen mit Kräutern wird aus Artischocken seit 1953 in Padua auch ein dunkelbrauner Digestif mit dem Namen Cynar hergestellt.

Eine Reise durch die Geschichte: Die Artischocke hat eine lange und faszinierende Geschichte

Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum, genauer gesagt aus dem Gebiet vom östlichen Mittelmeer über Persien bis nach Nordafrika und westlich bis Spanien. Ihre Geschichte reicht bis in die Antike zurück, auch wenn die genaue Zuordnung in den Schriften von Plinius und Columella unsicher ist. Der Beginn der Artischockenkultur wird im 1. Jahrhundert n. Chr. vermutet. Die Araber spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Pflanze im südlichen Mittelmeergebiet. Interessanterweise leitet sich der Name "Artischocke" in vielen europäischen Sprachen, darunter Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch, von der iberisch-arabischen Bezeichnung al-haršūf ab. Eine amüsante, wenn auch falsche Volksetymologie findet sich in älteren englischen Texten mit der Schreibung "hartichoke", die auf den Glauben zurückzuführen ist, das Artischockenherz sei ungenießbar und könne zum Ersticken führen. Der Siegeszug der Artischocke in Europa begann im 15. Jahrhundert, als der florentinische Händler Filippo Strozzi sie aus Sizilien importierte. Populär wurde sie in Frankreich und Großbritannien durch Caterina de’ Medici im Jahr 1533. Bis zur Französischen Revolution galt die Artischocke in den Gärten des französischen Landadels als Zeichen von Reichtum und vornehmer Lebensart. Ende des 19. Jahrhunderts brachten italienische Einwanderer sie in die USA, wo sie in den 1930er Jahren sogar Gegenstand von Auseinandersetzungen der Mafia wurde, den sogenannten "Artischockenkriegen", bis deren Handelsmonopol 1935 gebrochen wurde. Die Pflanze benötigt im Garten etwa 1 m² Fläche und bevorzugt sonnige, warme Orte. Geerntet werden die faustgroßen Blütenköpfe, wenn sie noch geschlossen sind und die äußeren Schuppen leicht abstehen.

Die Artischocke als Heilpflanze: Mehr als nur Genuss

Die Artischocke ist nicht nur kulinarisch ein Genuss, sondern wird traditionell auch als Heilpflanze geschätzt. Ihr werden verschiedene positive Wirkungen zugeschrieben, darunter eine appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung. Besonders hervorzuheben ist ihre Fähigkeit, den Cholesterinspiegel zu senken. Durch unterschiedliche Mechanismen – wie die vermehrte Ausscheidung von Cholesterin, einen erhöhten Cholesterinverbrauch zur Gallensäuresynthese und die Hemmung der Neubildung von Cholesterin in den Leberzellen – kann der Verzehr von Artischocken tatsächlich zu einer Senkung des Gesamtcholesterins um bis zu 12 Prozent beitragen. Dies macht die Artischocke zu einem wichtigen Bestandteil bei der Vorbeugung gegen Arteriosklerose. Der in der Artischocke enthaltene Bitterstoff Cynarin ist bekannt dafür, den Stoffwechsel der Leber anzuregen. Neben der Verwendung als Gemüse werden Extrakte aus ihren Blättern in Säften, Tees, Trockenextrakten und Tinkturen genutzt. Die medizinische und diätetische Wirkung wird auf den Gehalt an wertvollen Polyphenolen sowie speziellen Flavonoiden und Chinasäurederivaten zurückgeführt. Frischpflanzenextrakte aus Artischockenblättern werden erfolgreich zur Therapie von Verdauungsstörungen (Dyspepsie) und erhöhten Blutfettwerten (Hypercholesterinämie) eingesetzt. Sie tragen signifikant zur Erhöhung der Bildung des protektiven Radikalfängers Stickstoffmonoxid bei. Dies kann auch den Zucker- und Fettstoffwechsel verbessern und sich positiv auf kardiovaskuläre Erkrankungen sowie das metabolische Syndrom auswirken. Die stoffwechselstimulierende Wirkung und die antioxidative Protektion, verbunden mit der vermehrten Bildung von Stickstoffmonoxid, das die Aktivität und Bildung von Mitochondrien stimuliert, können zu einer Verbesserung der Allgemeingesundheit, der Lebensqualität und des Wohlbefindens führen, indem sie die Stoffwechseleffizienz erhöhen. Artischocken enthalten je 100 Gramm rund 10,5 g Kohlenhydrate (davon 0,99 g Zucker), 0,15 g Fett und 3,27 g Eiweiß sowie 5,4 g Ballaststoffe. Der Energiegehalt beträgt 197 kJ (47 kcal). Die Artischocke ist reich an Vitaminen. Sie enthält vor allem größere Mengen an Vitamin B9, C und K, es kommen jedoch auch weitere B-Vitamine in nennenswerten Mengen vor.

Wo werden Artischocken gegessen?
Wirtschaftliche BedeutungRangLandMenge (in t)1Ägypten459.9622Italien378.1103Spanien200.0704Algerien124.305

Wichtiger Hinweis: Mögliche Nebenwirkungen

Obwohl die Artischocke viele gesundheitliche Vorteile bietet, gibt es auch Situationen, in denen Vorsicht geboten ist. Menschen mit einem Reizdarmsyndrom, die sich diätetisch behandeln lassen, sollten Artischocken, zumindest zu Beginn ihrer Diät, meiden. Ähnlich wie Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Lauch, Kohlsorten und Pilze enthalten Artischocken fermentierbare, schlecht resorbierbare Kohlenhydrate, sogenannte Fructane. Diese können bei empfindlichen Personen Blähungen und andere Verdauungsbeschwerden verursachen.

Interessante Fakten und Trivialnamen

Im Laufe der Geschichte hat die Artischocke verschiedene Namen getragen, darunter Artischan, Artischock, Erdschocke, Golddistel, Jockeles, Strobildorn und Welschdistel. Auch in der Sprache hat sie Spuren hinterlassen: Die französische Redewendung "avoir un coeur d'artichaut" bedeutet wörtlich "ein Artischockenherz haben" und beschreibt eine Person, die sich leicht verliebt oder in der Liebe unbeständig ist – eine charmante Metapher, die die vielen "Blätter" oder Affären umschreibt, die man abstreift, bevor man zum "Herz" gelangt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie isst man Artischocken im Restaurant richtig?
Artischocken sind Fingerfood. Zupfen Sie die Blätter einzeln ab, tunken Sie das untere, fleischige Ende in den Dip und ziehen Sie den essbaren Teil mit den Zähnen ab. Essen Sie sich von außen nach innen vor.

Welche Teile der Artischocke sind essbar?
Essbar sind die unteren fleischigen Teile der Hüllblätter sowie der Blütenboden, das Artischockenherz. Das faserige "Heu" im Inneren ist nicht zum Verzehr geeignet, es sei denn, es handelt sich um sehr kleine, früh geerntete Sorten, die manchmal ganz gegessen werden.

Wie isst man eine Artischocke in einem Restaurant?
Artischocken können warm oder kalt serviert werden. Zum Verzehr die äußeren Blütenblätter einzeln abziehen. Die Unterseite des Blütenblatts in Sauce oder geschmolzene Butter tauchen und durch die Zähne ziehen, um den weichen, breiigen Teil des Blütenblatts zu entfernen. Restliches Blütenblatt wegwerfen .

Brauche ich Besteck, um eine Artischocke zu essen?
Für die Blätter benötigen Sie kein Besteck, sie werden mit den Fingern gegessen. Nur das Artischockenherz im Zentrum wird mit Besteck verzehrt.

Wie bereite ich Artischocken zu Hause zu?
Die gebräuchlichste Methode ist das Kochen. Kochen Sie die Artischocke in Salzwasser, oft mit etwas Zitronensaft, bis sich die äußeren Blätter leicht lösen lassen.

Wie lange muss eine Artischocke kochen?
Die Kochzeit variiert je nach Größe der Artischocke, liegt aber typischerweise zwischen 20 und 45 Minuten.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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