Im Herzen der Fürther Altstadt, eingebettet in das historische Ensemble, steht ein Gebäude, das mehr als nur ein Restaurant ist: der Gasthof Grüner Baum. Dieses Baudenkmal in markanter Ecklage an der Gustavstraße erzählt eine Geschichte, die Jahrhunderte zurückreicht und eng mit der Entwicklung der Stadt Fürth verbunden ist. Nach einer umfassenden Sanierung hat der Grüne Baum im Jahr 2019 seine Türen wieder geöffnet und vereint seither historische Substanz mit moderner Gastlichkeit.

Das Gebäude selbst ist ein beeindruckendes Beispiel für die Architektur seiner Zeit. Als zweigeschossiger, giebelständiger Sandsteinquaderbau präsentiert er sich mit einem Satteldach und charakteristischen eckigen, vasenbesetzten Giebelvoluten. Während die heutige Erscheinung größtenteils auf die Zeit um 1800 zurückgeht, wird das Erdgeschoss sogar auf das 17. Jahrhundert datiert. Ein schmiedeeiserner, neuklassizistischer Ausleger kündet weithin sichtbar vom Gasthof. Eine Gedenktafel aus Sandstein erinnert zudem an König Gustav II. Adolf von Schweden und unterstreicht die historische Bedeutung des Ortes.
Eine Geschichte voller Leben und Wandel
Die Geschichte des Grünen Baums ist lang und wechselvoll. Bereits im 17. Jahrhundert, genauer gesagt um 1607, lässt sich eine hölzerne Decke in einem Gastraum im ersten Stock datieren. Diese Decke, die bei den Renovierungsarbeiten im Jahr 2018 freigelegt wurde, macht diesen Raum zur nachweislich ältesten Gaststube Fürths – ein wahrlich besonderer Ort mit historischem Flair. Über die Jahrhunderte hinweg wechselten Besitzer und Wirte, Namen wie Hannß Löh, Johann Jacob Lehe oder Konrad Löhe sind in alten Adressbüchern verzeichnet und zeugen von der langen Tradition als Gasthaus. Auch die Adresse änderte sich mit der Zeit, von der „Bauerngaße“ zur „Bauern-Straße“ und schließlich zur heute bekannten Gustavstraße.
Die umfassende Sanierung und Wiedereröffnung 2019
Nachdem der Gasthof für vier Jahre geschlossen war, begann eine neue Ära. Im Februar 2019 öffnete der Grüne Baum unter neuer Führung wieder. Die Familie Streng übernahm als neue Eigentümerin und setzte in Zusammenarbeit mit der renommierten Augustiner Brauerei aus München eine vollständige Sanierung des Innen- und Außenbereichs um. Ziel war es, das historische Gebäude zu erhalten und gleichzeitig für moderne Anforderungen an einen Gasthof fit zu machen.
Die Umgestaltung war tiefgreifend. Der alte Küchenraum wurde aufgegeben, stattdessen wurde eine neue, größere Küche an anderer Stelle errichtet. Hierfür nutzte man unter anderem die ehemalige „Puppenstube“ im Erdgeschoss. Der Platz der alten Küche wurde geschickt in einen weiteren Gastraum umgewandelt. Der vormals offene Eingangsbereich erhielt eine einladende Glasfront und wurde durch eine Theke zum Bierausschank ergänzt – ein beliebter Treffpunkt für Gäste. Im ersten Obergeschoss erfuhr der Festsaal eine komplette Sanierung, während kleinere Nebenzimmer zu einer praktischen Nebenküche umfunktioniert wurden.
Ein besonderes Augenmerk lag auf den historischen Wandgemälden von Karl Hemmerlein aus den 1930er Jahren, die Szenen aus dem Dreißigjährigen Krieg darstellen. In Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz wurden diese Kunstwerke fachgerecht durch eine Pergamentschicht versiegelt. Sie sind nun zwar nicht mehr sichtbar, aber für zukünftige Generationen erhalten geblieben – ein schönes Beispiel für den respektvollen Umgang mit der Geschichte des Hauses.
Die gelungene Fassadensanierung wurde am 12. Dezember 2019 sogar von der Stadt Fürth mit einer Prämie ausgezeichnet. Die Betreiber Markus Binder und Norbert Zylka, die den Gasthof mit viel Engagement führen, haben zudem das informative Magazin „Grünes Blatt Fürth“ ins Leben gerufen. Dieses Magazin, das kostenlos erhältlich ist, bietet interessante Einblicke in die Geschichte des Hauses und enthält die aktuelle Speisekarte.
Bestandschutz und traditionelle Gastlichkeit
Die Wiedereröffnung verlief nicht ohne Herausforderungen. Im März 2020 berichtete die örtliche Presse über ein Klageverfahren, das gegen die Wiedereröffnung des Grünen Baums angestrengt wurde. Die Kläger versuchten, die Baugenehmigung anzufechten. Das Gericht wies die Klage jedoch ab und betonte dabei den hohen Wert des Bestandschutzes für eine über 300 Jahre alte Gaststätte. Dieses Urteil sichert die Zukunft des Grünen Baums als Ort der Einkehr und Gastlichkeit.
Der Grüne Baum ist nicht nur ein historisches Gebäude, sondern auch ein Ort, an dem die fränkische Gastlichkeit gelebt wird. In einem traditionellen fränkischen Gasthof wie diesem erwartet die Gäste in der Regel eine herzhafte Küche, die auf regionalen Produkten basiert. Die enge Verbindung zur Augustiner Brauerei aus München lässt bereits vermuten, dass auch das Bier eine wichtige Rolle spielt und hervorragend zu den Speisen passt.
Die Vielfalt der Fränkischen Küche
Ein Besuch in einem fränkischen Gasthof wie dem Grünen Baum bietet die wunderbare Gelegenheit, die reiche und bodenständige Küche Frankens kennenzulernen. Diese Regionalküche ist bekannt für ihre deftigen Gerichte und die Verwendung lokaler Spezialitäten. Auch wenn die genaue Speisekarte des Grünen Baums variieren kann, lassen sich typische fränkische Köstlichkeiten beschreiben, die oft in solchen Gasthöfen zu finden sind und die kulinarische Identität der Region prägen.
Eine der bekanntesten fränkischen Spezialitäten ist zweifellos die Bratwurst. Dabei gibt es nicht DIE eine fränkische Bratwurst, sondern eine beeindruckende Vielfalt regionaler Varianten. Am berühmtesten sind wohl die Nürnberger Bratwürste, kleine Würstchen aus Schweinefleisch, die traditionell „Drei im Weggla“ (drei Stück im Brötchen) oder als Sechs im Teller mit Kraut serviert werden. Doch Franken hat noch mehr zu bieten:
- Ansbacher Bratwurst: Gewürzt mit Salz, Pfeffer und Majoran.
- Westliches Mainfranken: Eine daumendicke und etwa zwölf Zentimeter lange Bratwurst.
- Hofer Bratwurst: Kleiner und magerer, meist paarweise gegessen.
- Kulmbacher Bratwurst: Ähnlich wie Hof, aber mit höherem Kalbfleischanteil.
- Coburger Bratwurst: Dick und grob wie die Nürnberger, aber über Kiefernzapfenfeuer geröstet für ein besonderes Raucharoma.
Bratwürste werden meist gegrillt oder in der Pfanne gebraten und mit Brötchen, Sauerkraut oder Kartoffelsalat serviert. Dazu passen Senf oder Kren (Meerrettich). Eine besondere Zubereitungsart sind die „Sauren Zipfel“ oder „Blaue Zipfel“, bei denen die Bratwürste in einem Essigsud mit Zwiebelringen, Karotten, Salz, Pfeffer, Lorbeerblättern und Wacholderbeeren gedünstet werden.
Neben Bratwürsten gehören auch andere Wurstspezialitäten zur fränkischen Brotzeit, wie zum Beispiel „Pressack mit Musik“ (Schwartenmagen mit viel Zwiebeln), Sülze, Blutwurst, Bierwurst, Stadtwurst oder Leberkäse.
Eine weitere regionale Besonderheit, insbesondere rund um Forchheim und Bad Windsheim, ist der Karpfen. Der Spiegelkarpfen wird traditionell längs geteilt und frittiert oder als „Karpfen blau“ in Essig- oder Biersud pochiert. Die frittierte Fischinnerei, das „Ingreisch“, gilt als Delikatesse. Die beste Zeit für Karpfen ist der frühe Herbst (September bis November), wenn die Fische aus heimischen Weihern stammen.
Als Beilagen zu Braten oder anderen Fleischgerichten sind in Franken Klöße unverzichtbar. Dazu gehören die „Rohen Klöße“ aus geriebener roher Kartoffelmasse, oft mit Brotwürfeln gefüllt. Wenn Klöße vom Sonntag übrig bleiben, werden sie gerne in Scheiben geschnitten und in der Pfanne gebraten. Eine andere Variante sind „Wickelklöße“, die aus Kartoffelteig gerollt und geschnitten werden. Auch Semmelklöße aus eingeweichten Brötchen sind verbreitet. Statt Klößen werden manchmal auch Bandnudeln serviert. Gemüse wie Sauerkraut, verschiedene Kohlsorten (Weiß-, Rot-, Wirsingkohl), Kohlrabi, Karotten, Schwarzwurzeln oder Spargel (im Sommer) ergänzen die Gerichte.

Suppen wie Brotsuppe, Grießklößchensuppe, Flädlasuppe oder Leberknödelsuppe sind ebenfalls fester Bestandteil der fränkischen Küche. Auch Salate, wie der fränkische Kartoffelsalat (oft mit Brühe angemacht), gemischter Salat oder Krautsalat, gehören dazu.
Nicht zu vergessen sind die Backwaren. Das Fränkische Landbrot, oft ein Mischbrot mit hohem Roggenanteil, ist würzig und passt perfekt zur Brotzeit. Süße Spezialitäten wie Nürnberger Lebkuchen, die das ganze Jahr über erhältlich sind, aber besonders zur Weihnachtszeit Hochkonjunktur haben, oder die berühmten „Knieküchla“ – ein dünner, frittierter Hefeteig mit Puderzucker – runden das kulinarische Erlebnis ab.
Besuchszeiten und Kontakt
Um den Grünen Baum und seine Gastlichkeit selbst zu erleben, sollten Sie die Öffnungszeiten beachten. Diese sind wie folgt:
| Tag | Öffnungszeit | Küchenzeit |
|---|---|---|
| Dienstag bis Donnerstag | 17:00 - 22:00 Uhr | bis 21:00 Uhr |
| Freitag | 17:00 - 23:00 Uhr | bis 21:00 Uhr |
| Samstag | 12:00 - 23:00 Uhr | bis 21:00 Uhr |
| Sonntag | 11:30 - 21:00 Uhr | bis 20:00 Uhr |
Bitte beachten Sie, dass bei Sonderveranstaltungen und an Feiertagen abweichende Zeiten gelten können.
Der Grüne Baum befindet sich unter der Adresse Gustavstraße 34, 90762 Fürth. Für Reservierungen oder Anfragen können Sie den Gasthof telefonisch unter 0911 73 99 06 23 erreichen oder eine E-Mail an [email protected] senden.
Es gab übrigens in der Vergangenheit auch eine Wirtschaft namens „Zum Grünen Baum“ in Vach, Lohstraße 12. Der hier beschriebene Gasthof ist jedoch der bekannte historische Grüne Baum in der Fürther Altstadt.
Häufig gestellte Fragen zum Grünen Baum Fürth
Wer ist der aktuelle Inhaber des Grünen Baums in Fürth?
Der aktuelle Inhaber des Gasthofs Grüner Baum ist die Familie Streng, die das Gebäude erworben und die umfassende Sanierung ermöglicht hat.
Wer sind die Betreiber des Grünen Baums?
Die Betreiber des Gasthofs Grüner Baum sind Markus Binder und Norbert Zylka.
Wie alt ist der Grüne Baum?
Das Gebäude des Grünen Baums geht in seinen ältesten Teilen (Erdgeschoss) wohl auf das 17. Jahrhundert zurück. Eine Holzdecke im ersten Stock wurde auf das Jahr 1607 datiert, was diesen Raum zur ältesten Gaststube Fürths macht. Der Bau in seiner heutigen Form ist größtenteils um 1800 entstanden. Als Gaststätte hat der Ort eine über 300-jährige Tradition.
Wann wurde der Grüne Baum nach der Sanierung wiedereröffnet?
Der Gasthof Grüner Baum wurde nach einer vierjährigen Schließung und umfassenden Sanierung am 15. Februar 2019 wiedereröffnet.
Gibt es im Grünen Baum historische Wandgemälde zu sehen?
Ja, es gibt Wandgemälde von Karl Hemmerlein aus den 1930er Jahren. Diese wurden jedoch im Rahmen der Sanierung in Abstimmung mit dem Denkmalschutz mit einer Pergamentschicht versiegelt und sind daher aktuell nicht direkt sichtbar, aber für die Nachwelt erhalten.
Ist der Grüne Baum ein Baudenkmal?
Ja, der Gasthof Grüner Baum ist ein eingetragenes Baudenkmal und Teil des Ensembles Altstadt Fürth.
Welche Brauerei ist Partner des Grünen Baums?
Der Grüne Baum arbeitet mit der Augustiner Brauerei aus München zusammen.
Fazit
Der Gasthof Grüner Baum in Fürth ist mehr als nur ein Restaurant; er ist ein lebendiges Stück Stadtgeschichte. Die gelungene Verbindung aus historischer Bausubstanz, der ältesten Gaststube Fürths und einer modernen, aber traditionsbewussten Gastlichkeit machen ihn zu einem besonderen Ort. Unter der Führung der Familie Streng als Inhaber und den Betreibern Markus Binder und Norbert Zylka präsentiert sich der Grüne Baum heute als attraktiver Anlaufpunkt in der Fürther Altstadt. Er lädt dazu ein, in historischem Ambiente die fränkische Kultur und vielleicht auch die eine oder andere regionale Köstlichkeit zu genießen, begleitet von einem frischen Augustiner Bier. Ein Besuch im Grünen Baum ist eine Reise durch die Zeit und ein Erlebnis für alle Sinne.
Hat dich der Artikel Grüner Baum Fürth: Geschichte & Genuss interessiert? Schau auch in die Kategorie Restaurant rein – dort findest du mehr ähnliche Inhalte!
