Warum heißt der Marienplatz in München Marienplatz?

Das Herz Münchens: Der Marienplatz

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Seit den frühesten Anfängen Münchens im Jahr 1158, als Heinrich der Löwe die Stadt gründete, bildet der Platz, den wir heute als Marienplatz kennen, das unbestrittene Zentrum. Hier kreuzten sich die beiden wichtigsten Handelsrouten der jungen Siedlung, und über Jahrhunderte hinweg war dieser Ort der Lebensmittelpunkt, das Herzstück des städtischen Lebens. Auch heute noch zieht der Platz, strategisch gelegen zwischen dem Isartor und dem Karlsplatz-Stachus, dem Odeonsplatz und dem Sendlinger Tor, Einheimische und Besucher gleichermaßen an. Er ist nicht nur ein beliebter Treffpunkt, sondern auch der offizielle Beginn der weitläufigen Fußgängerzone und der Punkt, von dem aus alle Entfernungen innerhalb Münchens gemessen werden. Ein Ort voller Geschichte, Trubel und unverwechselbarem Flair.

Was gibt es auf dem Marienplatz?
Marienplatz (München)MarienplatzPlatz in MünchenHist. NamenMarktplatz (bis ca. 1700), Schrannenplatz (bis 1854)Einmündende StraßenTal, Dienerstraße, Weinstraße, Kaufingerstraße, Rosenstraße, RindermarktBauwerkeAltes Rathaus, Neues Rathaus

Der Marienplatz: Ein historischer Mittelpunkt

Die Geschichte des Marienplatzes ist untrennbar mit der Entwicklung Münchens verbunden. Von Anfang an war er der zentrale Marktplatz, wo Getreide gehandelt wurde und das städtische Leben pulsierte. Ursprünglich trug der Platz daher auch einen anderen Namen, der seine Funktion widerspiegelte: der Schrannenplatz. Hier wurden die wichtigsten Geschäfte abgewickelt, hier trafen sich die Menschen, hier wurden Nachrichten ausgetauscht. Die Bedeutung dieses Ortes als wirtschaftliches und soziales Zentrum war immens und prägte das Stadtbild über viele Jahrhunderte.

Mit der Zeit wuchs München, und der Schrannenplatz blieb der Mittelpunkt, um den herum sich die Stadt weiter ausdehnte. Seine zentrale Lage machte ihn zum idealen Ort für öffentliche Gebäude, Versammlungen und Feierlichkeiten. Diese Rolle als Herz der Stadt hat der Platz bis heute behalten, auch wenn sich seine Funktion und sein Aussehen im Laufe der Geschichte gewandelt haben. Er ist nach wie vor der Ort, an dem wichtige Ereignisse stattfinden, von politischen Kundgebungen bis hin zu sportlichen Siegesfeiern.

Vom Schrannenplatz zum Marienplatz: Die Geschichte eines Namens

Seinen heutigen Namen, Marienplatz, erhielt der Platz erst relativ spät in seiner Geschichte. Genauer gesagt, am 9. Oktober 1854. Dieser Namenswechsel war kein Zufall und hatte einen ernsten Hintergrund. Im Sommer 1854 wurde München von einer schweren Cholera-Epidemie heimgesucht, die viele Todesopfer forderte. In ihrer Not und Hoffnung wandte sich die Stadtverwaltung, der Münchner Magistrat, an die himmlische Schutzpatronin Bayerns, die Heilige Jungfrau Maria.

Durch die Umbenennung des Schrannenplatzes in Marienplatz stellten sie den zentralen Platz und damit symbolisch die gesamte Stadt unter den Schutz Marias. Man hoffte inständig, dass dieser Akt der Verehrung und des Vertrauens in die Schutzpatronin ein schnelles Ende der verheerenden Seuche bewirken würde. Es war ein Ausdruck tiefen Glaubens und der verzweifelten Hoffnung auf göttlichen Beistand in einer Zeit großer Not. Der Name Marienplatz ist somit nicht nur eine geographische Bezeichnung, sondern erinnert auch an ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte und an die tiefe Verbundenheit der Münchner mit ihrer Schutzheiligen.

Die Mariensäule: Schutzpatronin und Zentrum

Unübersehbar in der Mitte des Marienplatzes erhebt sich die Mariensäule, gekrönt von der goldglänzenden Figur der Mutter Gottes. Diese Säule ist weit mehr als nur ein Denkmal; sie ist ein zentrales Symbol Münchens und Bayerns. Sie wurde im Jahr 1638 im Auftrag von Kurfürst Maximilian I. errichtet. Der Anlass für den Bau war ein tief empfundener Dank. Während des Dreißigjährigen Krieges war München von schwedischen Truppen besetzt, wurde aber – im Gegensatz zu vielen anderen Städten – von größeren Zerstörungen verschont. Maximilian I. sah darin ein Wunder und schrieb die Schonung der Stadt der Fürsprache Marias zu.

Die elf Meter hohe Säule aus Tegernseer Marmor ist ein Ausdruck dieses Dankes und der Verehrung Marias als Patrona Bavariae, der Schutzpatronin Bayerns. Die bronzene Marienfigur auf der Spitze wurde bereits 1593 von Hubert Gerhard geschaffen und schmückte ursprünglich den Hochaltar der Frauenkirche. Die Darstellung zeigt Maria mit dem Jesukind auf dem Arm, stehend auf einer Mondsichel – eine traditionelle Darstellung in der Nachfolge des Gnadenbildes von Maria Loreto.

Besonders bemerkenswert sind die vier Putti am Sockel der Säule. Diese kämpfenden Engelchen symbolisieren den Sieg Marias über die Übel, die die Menschen bedrohten: Der Drache steht für den Hunger, der Löwe für den Krieg, der Basilisk für die Pest und die Schlange für die Ketzerei. Die Mariensäule ist somit ein Mahnmal des Schutzes und der Hoffnung. Sie gilt zudem als der offizielle Mittelpunkt Münchens, von dem aus alle Entfernungen auf Wegweisern in die Stadt gemessen werden. Für Katholiken ist sie ein wichtiger spiritueller Ort; sogar drei Päpste – Pius VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. – haben hier bereits gebetet.

Architektonische Pracht: Neues und Altes Rathaus

Der Marienplatz wird dominiert von zwei beeindruckenden Bauwerken, die die Geschichte und Verwaltung der Stadt repräsentieren: das Neue Rathaus und das Alte Rathaus. Das Neue Rathaus, ein Meisterwerk neugotischer Architektur, ist nicht nur Sitz des Oberbürgermeisters und des Stadtrats, sondern auch eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Münchens. Seine detailreiche Fassade und der imposante Turm ziehen sofort alle Blicke auf sich.

Der absolute Höhepunkt des Neuen Rathauses ist zweifellos das Glockenspiel im Rathausturm. Mit 43 Glocken und 32 Figuren gehört es zu den größten und schönsten Glockenspielen Europas. Täglich um 11 und 12 Uhr, und zusätzlich von März bis Oktober auch um 17 Uhr, erwachen die Figuren zum Leben und stellen Szenen aus der Münchner Stadtgeschichte dar: den Schäfflertanz, der nach einer Pest-Epidemie aufgeführt wurde, und das Ritterturnier anlässlich der Hochzeit von Herzog Wilhelm V. und Renata von Lothringen. Dieses Schauspiel zieht täglich Hunderte von Zuschauern in seinen Bann und ist ein Muss für jeden München-Besucher.

Neben dem Glockenspiel bietet das Neue Rathaus weitere interessante Einblicke. Der berühmte Rathausbalkon ist weltbekannt durch die Meisterfeiern des FC Bayern München, bei denen die Mannschaft den Fans ihre Trophäen präsentiert. Wer mehr über das Gebäude erfahren möchte, kann an einer Rathausführung teilnehmen, die auch Zugang zu Orten wie dem Lesesaal der Juristischen Bibliothek ermöglicht, dessen Atmosphäre oft mit der von Hogwarts verglichen wird. Für einen atemberaubenden Blick über den Marienplatz und die gesamte Stadt kann man den Rathausturm besteigen. Im Gegensatz zum Alten Peter, der über 300 Stufen erfordert, verfügt der Rathausturm über einen Aufzug, was den Aufstieg sehr bequem macht.

Direkt neben dem Neuen Rathaus steht das Alte Rathaus. Dieser spätgotische Bau, der ursprünglich im 15. Jahrhundert errichtet und nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde, beherbergt heute das Spielzeugmuseum. Es ist ein weiteres historisches Gebäude, das die lange Geschichte des Platzes und der Stadt widerspiegelt und einen schönen Kontrast zum jüngeren, prunkvollen Neuen Rathaus bildet.

Leben und Treiben am Platz: Veranstaltungen und Atmosphäre

Der Marienplatz ist nicht nur ein Ort von historischer und architektonischer Bedeutung, sondern auch ein lebendiger Treffpunkt und Veranstaltungsort. Das ganze Jahr über herrscht hier reges Treiben. Man kann in den Cafés sitzen, das geschäftige Treiben beobachten oder einfach nur die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Als Beginn der Fußgängerzone ist er der ideale Ausgangspunkt für einen ausgiebigen Einkaufsbummel. Die bekannten Einkaufsstraßen wie die Kaufingerstraße, Neuhauser Straße, Sendlinger Straße und Theatinerstraße sind nur wenige Schritte entfernt. Auch exklusive Passagen wie die Fünf Höfe sind gleich um die Ecke.

Zahlreiche Veranstaltungen beleben den Platz zusätzlich. Zu den bekanntesten und beliebtesten gehört zweifellos der Münchner Christkindlmarkt. In der Vorweihnachtszeit verwandelt sich der Marienplatz in ein Winterwunderland mit festlich geschmückten Ständen, dem Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln und einem riesigen Weihnachtsbaum vor dem Rathaus. Es ist ein magisches Erlebnis, das jedes Jahr Millionen von Besuchern anzieht. Aber auch andere Ereignisse wie der Stadtgeburtstag, politische Kundgebungen oder die eingangs erwähnten Meisterfeiern des FC Bayern München finden hier statt und verwandeln den Platz in eine riesige Bühne.

Eine besondere Tradition, die am Fischbrunnen vor dem Neuen Rathaus gepflegt wird, ist der Metzgersprung. Dabei springen die Fleischerlehrlinge nach ihrer Freisprechung in den Brunnen – ein jahrhundertealtes Ritual. Eine weitere beliebte Tradition ist das Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch. Dabei werden die leeren Geldbeutel im Wasser des Fischbrunnens ausgewaschen, was für volle Kassen im restlichen Jahr sorgen soll. Diese Bräuche unterstreichen die tiefe Verwurzelung des Platzes im städtischen Leben und in den Traditionen Münchens.

Der Fischbrunnen: Mehr als nur ein Treffpunkt

Der Fischbrunnen, gelegen vor dem Haupteingang des Neuen Rathauses, mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, doch er hat eine lange und bewegte Geschichte. Seine Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück, als hier der Fischmarkt abgehalten wurde. Daher auch sein Name. Der heutige Brunnen ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1954, nachdem der ursprüngliche Brunnen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Er ist ein beliebter Treffpunkt für Verabredungen, insbesondere während des Christkindlmarktes.

Wie bereits erwähnt, ist der Fischbrunnen Schauplatz zweier einzigartiger Münchner Traditionen: des Metzgersprungs und des Geldbeutelwaschens. Diese Bräuche sind ein lebendiges Zeugnis der Geschichte der Stadt und ihrer Zünfte. Der Brunnen ist somit nicht nur ein dekoratives Element, sondern ein Ort, der fest in der Kultur und den Ritualen Münchens verankert ist und die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufrechterhält.

Marienplatz als Ausgangspunkt für Entdeckungen

Die zentrale Lage des Marienplatzes macht ihn zum idealen Ausgangspunkt, um viele weitere Highlights Münchens zu erkunden. Die berühmte Frauenkirche, eines der Wahrzeichen der Stadt, ist nur wenige Gehminuten entfernt. Ebenso erreicht man bequem das weltberühmte Hofbräuhaus, das Nationaltheater, die Münchner Kammerspiele oder das Residenztheater. Auch der Viktualienmarkt, ein Paradies für Feinschmecker und Liebhaber bayerischer Spezialitäten, liegt in unmittelbarer Nähe und ist vom Marienplatz aus schnell zu Fuß erreichbar. Ein Besuch des Marienplatzes ist somit oft der Beginn einer Entdeckungsreise durch die vielfältige und faszinierende Stadt München.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Marienplatz

Hier finden Sie Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen rund um den zentralen Platz Münchens:

Warum heißt der Marienplatz Marienplatz?

Der Platz wurde am 9. Oktober 1854 vom damaligen Schrannenplatz in Marienplatz umbenannt. Der Münchner Magistrat stellte den Platz durch diesen Akt unter die Obhut der bayerischen Schutzheiligen Maria in der Hoffnung, die im Sommer 1854 ausgebrochene Cholera-Epidemie schnell zu beenden.

Warum wurde die Mariensäule gebaut?

Kurfürst Maximilian I. ließ die Mariensäule im Jahr 1638 zum Dank dafür erbauen, dass die Stadt München während des Dreißigjährigen Krieges und der schwedischen Besatzung von Zerstörungen verschont geblieben war. Es war ein Ausdruck der Verehrung Marias als Schutzpatronin.

Seit wann ist der Marienplatz Fußgängerzone?

Die Umwandlung der Innenstadt zwischen Karlsplatz-Stachus und Marienplatz in eine autofreie Fußgängerzone erfolgte im Rahmen der Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 1972 in München.

Wie alt ist der Fischbrunnen am Marienplatz?

Die Geschichte des Fischbrunnens reicht bis ins Mittelalter zurück, wo er ursprünglich als Fischmarkt diente. Sein heutiges Aussehen erhielt der Brunnen nach dem Wiederaufbau im Jahr 1954. Er ist bekannt für Traditionen wie den Metzgersprung und das Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch.

Der Marienplatz bleibt somit ein Ort voller Leben, Geschichte und Geschichten, das unbestrittene Herz von München und ein Muss für jeden Besucher.

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Bruno Auerei Leimen

Ich heiße Bruno Auerei Leimen und wurde 1979 in Heidelberg geboren. Seit über zwanzig Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Entdeckung der kulinarischen Vielfalt Deutschlands. Nach meinem Studium der Literatur und des Journalismus an der Universität München habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meine Liebe zum Schreiben mit meiner Neugier für authentische regionale Küche zu verbinden. Heute arbeite ich als Gastronomiekritiker, habe drei Bücher über kulinarische Reisen veröffentlicht und schreibe regelmäßig für renommierte Magazine. Besonders schlägt mein Herz für traditionelle Gerichte und handwerklich gebrautes Bier.

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